Ingeborg Dirmhirn, international bekannte Meteorologin und die erste Professorin an der BOKU, ist im Alter von 83 Jahren in Wien verstorben.
Die Verabschiedung findet am Dienstag, dem 29. Juli 2008, um 14 Uhr in der Halle 1 des Wiener Zentralfriedhofes (2. Tor) statt.

Der Lebensweg von Inge Dirmhirn ist herausragend in ihrem Einsatz für die Wissenschaft. Sie hat nicht nur an der BOKU als Institution deutliche Spuren und Prägungen durch den Aufbau eines neuen Instituts (Meteorologie und Physik) hinterlassen, auch viele heute erfolgreiche WissenschafterInnen sind unter Ihrer Betreuung herangereift.

Sie begann nach dem 2. Weltkrieg das Studium der Meteorologie und der Physik und erhielt durch ihren Lehrer Franz Sauberer Arbeit an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. Schon früh veröffentlichte sie zahlreiche Arbeiten in der Zeitschrift „Wetter und Leben“, vor allem zur Strahlung, für die „Klimatographie von Österreich“ und „Klima und Bioklima von Wien“. Parallel erfolgte die Entwicklung von solaren Strahlungsmessgeräten – vor allem dem Sauberer-Dirmhirn-Sternpyranometer, kurz „Dirmhirn-Stern“ genannt, ein heute in Abwandlungen weltweit verbreitetes und bekanntes Messgerät. Diese Liebe zur Messung von meteorologischen Phänomenen, zum direkten Beobachten in der Natur hat sie immer all ihren KollegInnen und StudentInnen vermittelt.

Ihre Arbeiten in angewandter Meteorologie, besonders der Bioklimatologie und Strahlung, dauerte bis zuletzt an. In Würdigung ihrer wissenschaftlichen Leistungen wurde ihr im Jahr 1995 von der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie die Julius von Hann-Medaille in Gold verliehen, eine sehr seltene Auszeichnung. Ihre Publikationsliste zählt weit über 150 Beiträge. 1964 erschien ihr wohl bekanntestes Buch „Das Strahlungsfeld im Lebensraum“, das auf über 400 Seiten das Gesamtwissen zur Bioklimatologie der Strahlung zusammenfasst – ein Klassiker, der in fast jeder meteorologischen Bibliothek zu finden ist.

Inge Dirmhirn war ein für ihre Zeit selten weltoffener und mutiger Mensch. Sie begann arbeitend zu reisen: Norwegen, Afrika, die Vereinigten Staaten. Dort wurde sie 1968 Professorin für Bioklimatologie an der Utah State University in Logan. Der Schwerpunkt ihrer Arbeiten, Strahlungs- und Hochgebirgsforschung, blieb erhalten und zusätzlich wurde die Ausbildung von Studierenden ein zentrales Anliegen. Inge Dirmhirn hat sich erfolgreich ihren Platz erobert, und ihrer neuen Heimat ist sie auch bis zuletzt treu geblieben. Vorher jedoch, im Jahre 1981, erhielt sie den Ruf an die BOKU und war die erste Frau, die an unserer Universität als Professorin gewirkt hat.

Sie widmete sie sich vor allem dem Aufbau des neuen Institutes, der Förderung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie den Studierenden der BOKU. Hervorzuheben ist  ihr beispielhaftes Lehrkonzept für die Übungen, die als Miniprojekte in Kleingruppen durchgeführt wurden – kaum ein Studierender, der diese Lehrveranstaltung nicht als ungewöhnlich gelungen in Erinnerung behalten hätte.

Ihre Leistungen beim Aufbau des Instituts und dessen Etablierung als heute unverzichtbarer Teil der BOKU sind besonders zu würdigen. Darunter fällt auch die Erweiterung um die Professur für Physik, viele über die BOKU hinausreichende Kooperationen wie mit dem Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien in der Ausbildung von DiplomandInnen und DissertantInnen, die Stärkung experimenteller Forschung in der Meteorologie, der Aufbau von heute etablierten Arbeitsgruppen in Agrarmeteorologie, Strahlung, Mikro- und Topoklimatologie, die Förderung internationaler Kontakte (u.a. als Auslandsbeauftragte der BOKU), die Einladung und Betreuung vieler ausländischer Studierender, denen sie immer besondere Unterstützung zukommen ließ, und vieles mehr.

Nach ihrer Emeritierung 1995 widmete sie sich in ihrem „dritten Leben“ nach wie vor der Meteorologie und ihrem besonderen Hobby, dem Aufbau einer erfolgreichen Araber-Pferdezucht in ihrer liebgewonnenen Heimat in Fort Collins, USA.

Inge Dirmhirn war eine starke Persönlichkeit, wohl auch mit Ecken und Kanten, aber viele, denen sie in entscheidenden Lebenssituationen geholfen hat, würden einem amerikanischen Kollegen zustimmen : „but she got a big heart“.

Möge sie in ihrem „vierten“ Leben das weiterführen können, was ihr Leben erfüllt hat.

(Nachruf nach Texten von Christian Bernhofer und Josef Eitzinger)

 

Die Verabschiedung von Emer.Ord.Univ.Prof. Dr. Inge Dirmhirn findet am Dienstag, dem 29. Juli 2008, um 14 Uhr in der Halle 1 des Wiener Zentralfriedhofes (2. Tor) statt.


25.07.2008