Monika Kleiber
Rechenzentrum, Leiterin des EDV-Zentrums, Direktorin des ZID
1970 - 2007
I did it my way, ...
Wie alles begann
Jahr: 1970
Ort: Exnerhaus, genauer gesagt, ein Kammerl im Keller, das „Rechenkammerl“.
Ein dunkler Raum im Keller, zwei großer Metallschränke, ein lautes Dröhnen von Ventilatoren, enorme Wärme durch 2000 Röhren. Das ist meine Erinnerung an die erste Rechenmaschine der BOKU, als ich mich als junges Mädchen vorstellen komme. Ich lass mich davon nicht abschrecken - dass ich aber dann mein halbes Leben dem Aufbau der IT an der BOKU widmen werde, kommt mir natürlich nicht in den Sinn.
Diese Rechenmaschine, eine IBM 650, ist ein Geschenk der NEWAG. Dort hatte sie schon 1964 ausgedient, ein baugleiches System steht schon damals 1970 im Technischen Museum.
Technische Daten: Ein/Ausgabe mittels Lochkarten, Speicherkapazität 2000 Worte à 10 Bit.
Dienstposten im Rechenzentrum gab es genau einen - mich, das „Mädchen für alles“.
Die blaue Periode
1972 kommt der Tag, an dem die Rechenanlage erneuert wird. Zwei Dinge bleiben dabei gleich: Es ist wieder eine „Big Blue“, eine IBM 1130, und es ist wieder ein Erbstück, diesmal vom Forschungszentrum Seibersdorf. Dennoch ein großer Fortschritt: Die Ausgabemedien sind nun Papier und Magnetplatte.
... und aus dem Mädchen für alles, dem Fräulein Wurz, wird die Frau Kleiber,
... und wir sind jetzt ein kleines EDV-Team von 4 Leuten.
Die Geburt des EDV-Zentrums, vom Lochkartenkoffer zur Standleitung
1976 schlägt der „blauen Periode“ ihre letzte Stunde. Die Vorherrschaft der IBM wird an vielen Universitäten durch eine CDC-Euphorie abgelöst, der wir uns anschließen. Der Hauptgrund: Wir können die manuelle Datenübermittlung zur TU Wien per Straßenbahn durch eine Datenstandleitung ersetzen.
Unser EDV-Team besteht nun aus 5 Mitarbeitern, für die der Raum sehr eng geworden ist. Wir übersiedeln ins Guttenberghaus, wir steigen nicht nur vom Keller ins Erdgeschoß auf, sondern auch vom „Rechenkammerl“ zum EDV-Zentrum.
... aus dem Ehepaar Kleiber wird mit Ankunft der Tochter Julia eine Familie.
EDV näher dem Arbeitsplatz
1981 mit der ersten PRIME- Anlage werden dezentrale Terminal-Arbeitsplätze eingerichtet und damit sukzessive Userräume in den einzelnen Gebäuden der BOKU installiert.
... die Familie Kleiber vergrößert sich, Sohn Edwin wird 1981 geboren.
Mit der Vernetzung beginnt das neue Zeitalter der IT
1988 wird das Datennetz (Novell) installiert und die BOKU ist damit am IT- Pulsschlag der Zeit.
Mit dem Siegeszug der PCs wird die Entwicklung in der EDV über Nacht zur permanenten (R)evolution! Alle Trendanalysen und selbst die kühnsten Phantastereien werden binnen kürzester Zeit von der Realität überholt
1990 bis 1995 steigt die Useranzahl von 150 auf 2.000, und jeder hat die EDV am Schreibtisch,
jeder ist im BOKUnet und im Internet!
Der Fortschritt ist groß:
Wir bieten eine Vielzahl von Software-Produkten an, das Bild ist digital geworden und Multimedia ist geboren.
Mit der Vernetzung kommt aber auch das Problem der „Sicherheit im Netz“:
Virenangriffe, Trojaner, Würmer, denial of service Attacken legen weltweit immer wieder die Netze lahm.
Das ZID-Team wird größer, aber in keinem Verhältnis zu den neuen Services und dem Boom der IT.
Information und Wissen
1995 - die Informationssysteme werden geboren.
Als besonderes weit blickendes Projekt wird BOKU-IS als Management-System und umfassendes Informationssystem für alle Mitarbeiter und Studierenden an der BOKU entwickelt. Damit ist das Spektrum der Dienstleistungen im ZID um ein großes Segment erweitert.
BOKU-IS ist der Ursprung für etliche Services, die heute einen breiten Raum im ZID einnehmen, wie z.B. Datawarehouse, Abstracts u.a. Wenn die Budgetdaten heute auch über SAP im BRZ bearbeitet und gespeichert werden, haben wir damals erstmals Budgetdaten in einer kumulierten, digitalen Form nach Berechtigungsstrukturen im BOKU-IS zur Verfügung gestellt.
die Jahrtausendwende: Fokus Service
Das neue Jahrtausend bringt neue Schwerpunkte, Userservice heißt die Devise.
War der Aufbau und die Kapazitätsanpassung der IT-Infrastruktur (Netz & Server) die Kernaufgabe des ZID, sind nun Projektarbeiten und der Betrieb breit angelegter Serviceschienen das Thema. Ich denke vor allem an die Revolution, die Mailing und Web für den Arbeitsbereich jedes einzelnen Mitarbeiters und Studierenden gebracht haben. Die IT wird „lebensnotwendig“ und damit die Hochverfügbarkeit zum Diktat. Ein Druck, den die Mitarbeiter des ZID sehr deutlich zu spüren bekommen.
Hand in Hand mit der IT-Abhängigkeit wird Hardware-Redundanz geschaffen (Clustersysteme, zentraler Datenpool SAN und virtuelle Server) und die ZID-Hotline aufgebaut und über ein Ticketsystem professionalisiert.
BOKU-IT, alles in einer Hand
2005 erfolgt die Zusammenführung aller EDV-Agenden und der entsprechenden Betreuer im ZID. Der ZID repräsentiert damit die IT an der BOKU
37 Jahre, das ist nahezu die gesamte Entwicklungsdauer der IT:
vom Bit und Byte zu virtuellen, vernetzten und hochverfügbaren Systemen
37 Jahre liegen zwischen meinem Start als „Einmädelshow“ und dem ZID von 2007.
Viele Meilensteine gäbe es noch aufzuzählen und ich könnte auch einige Schnurren hinzufügen. Es gab natürlich auch harte Zeiten, wenn die IT- Revolution schneller war als die Finanzzuteilung, oder wenn Krankheit Mitarbeiter ausfallen ließ und ich es im IT- Gebälk gehörig knarren hörte.
Die steigende IT-Abhängigkeit in der täglichen Arbeitswelt der BOKU-Mitarbeiter erzeugt beim ZID-Leiter einen ordentlichen Druck, der mir den Abschied leichter macht. Fehlen wird sie mir dennoch, meine BOKU.
Aber dankbar blicke ich auf erfüllte spannende Jahre zurück und kann ehrlich sagen, schön war es.
Ich danke meinen Mitarbeitern und allen, die mir in den vielen Jahren geholfen haben, das Schiff sicher zu steuern, besonders danke ich allen, die auch da waren, wenn das Barometer auf Sturm ging.
Ich freue mich, dass ich das Schiff auf gutem Kurs übergeben kann und wünsche dem neuen Kapitän und (m)seiner Mannschaft weiterhin gute und sichere Fahrt.
Monika Kleiber
