BOKU

Universität für Bodenkultur Wien

Strategie zur Internationalisierung der Universität für Bodenkultur Wien

2. Fassung, 2002

EINLEITUNG

Aus dem BOKU-Leitbild:
Die BOKU bekennt sich zu internationalem Leistungsvergleich in Forschung und Lehre, zur Zusammenarbeit über nationale und internationale Grenzen hinweg und zur initiativen Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen.

In verschiedenen Publikationen, insbesondere im Weißbuch der Europäischen Kommission "LEHREN und LERNEN", wird auf die qualifikatorischen Meriten der Internationalität und ihrer Elemente immer wieder hingewiesen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Kleinheit unseres Landes und unsere geopolitische Situation besondere Gründe sind, grenzüberschreitend aktiver zu werden.

Die klassischen internationalen Mechanismen bezogen sich auf Kommunikation und Zusammenarbeit von Individuen, Arbeitsgruppen und Instituten. Sie behalten ihren Wert, werden aber zunehmend von Kooperationen auf institutioneller Basis und der Bildung von Netzwerken in Forschung, Lehre und Weiterbildung ergänzt bzw. abgelöst. Geistige und physische Mobilität von Studierenden und Universitätslehrern, Austausch und multilaterale Anerkennung von Studien(teilen) werden immer wichtiger.

Waren es in den letzten Jahren insbesondere die Studierenden- und die Lehrermobilität im Rahmen der europäischen Bildungsprogramme, welche einer Institution ein gewisses Maß an Internationalisierung gebracht haben, so muss in Zukunft in verstärktem Maße eine internationale Dimension in die strategische Planung der Universität Eingang finden.

Auch aufgrund der Begrenztheit der finanziellen und Humanressourcen, der geopolitischen Situation der BOKU sowie ihrer fachlichen Ausrichtung ist eine Definition und Fokussierung ihrer Außeninteressen unumgänglich notwendig.

Als eine der ersten österreichischen Universitäten hat die Universität für Bodenkultur 1998 eine Strategie zur Internationalisierung entwickelt. 2001 wurde die tatsächliche Umsetzung durch externe, internationale Experten evaluiert. Die Ergebnisse zeigten, dass manche Zielsetzungen erfolgreich umgesetzt wurden, während andere noch erreicht werden müssen, sodass die ursprüngliche Strategie überarbeitet und neu formuliert werden musste. Auch das neue Universitätsgesetz macht eine Anpassung der Strategie in Hinblick auf quantifizierbare Ziele und Leistungsindikatoren erforderlich.

LEITSÄTZE ZUR INTERNATIONALISIERUNG DER UNIVERSITÄT FÜR BODENKULTUR WIEN:

1) Im Interesse einer verstärkten Internationalisierung der Lehre (inkl. Weiterbildung) sollen folgende Maßnahmen bis zum Jahr 2005 verwirklicht werden:

Studierendenmobilität:


Internationalisierung des Lehrangebotes:

Das wichtigste Ziel in den nächsten Jahren kann unter dem Schlagwort "Internationalisation at home" zusammengefasst werden und bedeutet verstärkte Lehrendenmobilität, Anbieten internationaler und interdisziplinärer Studienprogramme und Schaffung bzw. Weiterentwicklung eines "international classrooms". (Dadurch soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass nicht alle Studierenden Auslandsstudienaufenthalte absolvieren möchten oder können.)

Steigerung der Zahl der ausländischen Gastlehrer auf mindestens 5 pro Studienrichtung und Jahr durch gezielte Nutzung der SOKRATES-Dozentenmobilität.

Strukturierter Ausbau des fremdsprachigen Lehrangebotes für jede Studienrichtung; durch Entwicklung von "Spezial-Modulen" zu bestimmten Themenschwerpunkten, aber auch von Intensivprogrammen oder Internationalen Exkursionen ("Travel Courses"). Langfristig ist es wünschenswert, internationale Aspekte in solche LV verstärkt einfließen zu lassen und die interdisziplinären Möglichkeiten an der BOKU konsequenter zu nutzen.

Entwicklung von fremdsprachigen, internationalen und interdisziplinären Studienprogrammen (z.B. Double-Degree Programme wie der MSc mit der Lincoln University Neuseeland). Mittelfristig ist es das Ziel, mit mehreren Universitäten 5 interdisziplinäre Master zu entwickeln, die an den Kernkompetenzen der BOKU (Centers of Excellence) orientiert sind (z.B. nachhaltige Landnutzung, ökologischer Landbau, Rhizosphärenmanagement, Gebirgsforstwirtschaft, Expertise vom IFA Tulln etc.) und verpflichtende Auslandsaufenthalte beinhalten.

Zwecks Vermeidung von Parallelaktivitäten ist eine kohärente Strategie bei der Entwicklung der Masterkurse zu verfolgen.

Die Verbindlichkeit des Besuchs einer gewissen Zahl von fremdsprachigen Lehrveranstaltungen (sowohl an der BOKU als auch im Rahmen eines Auslandsstudienaufenthaltes möglich) ist beizubehalten.

Internationalisierung des Weiterbildungsangebots:
Entwicklung von internationalen Weiterbildungsprogrammen wie z.B. Summer Universities. Diese sind mit Regelmäßigkeit abzuhalten und international zu vermarkten. Qualitätsstandards für die Weiterbildung sind zu entwickeln und sollen die Basis für die Festlegung einer konkreten Vorgabe für die Zahl der zu entwickelnden Weiterbildungsprogramme sein.

Da Lehre in Kontext zur Forschung steht, sollte die lehrbezogene Strategie im internationalen Bereich sich stärker an den Schwerpunktbildungen in der Forschung orientieren.

2) Eine verstärkte Internationalisierung der Forschung steht in engstem Zusammenhang mit einer Steigerung der Qualität der Forschungsleistungen. Diese soll insbesondere durch folgende Maßnahmen unterstützt werden:

verstärkte internationale Kooperation und Wissenschafteraustausch:

3) Im Interesse einer verbesserten Nutzung von Synergieeffekten sowohl im Lehr- und Weiterbildungs- als auch im Forschungsbereich soll der Ausbau von INTERNATIONALEN KOOPERATIONS - NETZWERKEN wesentlich verstärkt werden:
Netzwerke bilden gegenwärtig sowohl in der EU als auch in der ÖAD-Förderung bevorzugte Kooperationsformen und sollten deshalb von der BOKU insbesondere als Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Dritte Welt-Ländern wie mit Mittel-Osteuropa-Staaten entwickelt werden. Dabei sind interdisziplinäre Ansätze prioritär ins Auge zu fassen und auch BOKU-intern stärker zu verwirklichen. Qualitätsstandards für Netzwerke sind zu entwickeln.

Ein studienrichtungsübergreifendes internationales Alumni-Netzwerk soll geschaffen werden, das in weiterer Folge auch für Fundraising-Zwecke herangezogen werden soll.

Konsequenzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Leitsätze zur Internationalisierung der BOKU:

Die erfolgreiche Umsetzung einer Internationalisierungsstrategie erfordert gewisse strukturelle Grundvoraussetzungen. Diese umfassen

Die im Zuge der Implementierung der Strategie zur Internationalisierung geschaffenen Einheiten (funktionsfähige Organisationseinheit, Internationales Gremium, Unterstützung durch die Universitätsleitung) sollten also auch nach Umsetzung des UG2002 beibehalten, wenn nicht ausgeweitet werden.

Vor allem bei den durch das neue Universitätsgesetz vorgeschriebenen Änderungen der Universitätsstruktur ist darauf zu achten, dass die neue Organisationsform dem Internationalisierungsprozess dienlich ist und sich damit positiv auf künftige Leistungsvereinbarungen auswirkt. Sorgen bestehen hier allerdings aufgrund der neuen organisationsrechtlichen Stellung des Mittelbaus, der ja u.a. in Form der SOKRATES-Fachkoordinatoren wesentlich für die Durchführung von Austauschprogrammen war und ist. Wesentlich für die Implementierung der Strategie zur Internationalisierung ist eine Bereitstellung ausreichender budgetärer Mittel. Gerade in Hinblick auf die derzeit bestehenden Schwierigkeiten bei der Finanzierung von internationalen Gastlehrern ist sicherzustellen, dass die zusätzlichen Mittel, die in Zukunft von Seiten des BMBWK aus Anlass der Streichung der Stipendien im Rahmen der Kulturabkommen den Universitäten nun direkt im Rahmen des Globalbudgets zugewiesen werden, auch wirklich den internationalen Mitteln zur Finanzierung der Aufenthalte von Gastwissenschaftern, Stipendien etc. zur Verfügung stehen.

Ein entscheidendes Element stellt schließlich die Einbindung aller universitären Einheiten in den Internationalisierungsprozess dar: Wenn sich die Internationalisierung nicht auf äußerliche Aktivitäten wie die Steigerung der Studierendenmobilität beschränken soll, gilt es, ein generelles Umdenken hinsichtlich der universitären Grundeinstellung zu internationalem Erfahrungsaustausch und damit zu einer Qualitätssteigerung im eigenen Wirkungsbereich herbeizuführen. Dazu bedarf es entsprechender Maßnahmen, um dies auch universitätsweit durchzusetzen. Es muss Ziel der Universität sein, sowohl das wissenschaftliche als auch das Verwaltungspersonal durch Fortbildungsmaßnahmen im Fremdsprachenbereich ebenso wie im Bereich der interkulturellen Verständigung zu schulen. Dadurch soll die erforderliche Aufgeschlossenheit gegenüber einem internationalisierten Studien- und Forschungsbetrieb gewährleistet werden.

[Ende des der Beschlußfassung unterliegenden Teils]

 

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Erläuterungen:

ad LEHRE und WEITERBILDUNG:
Das SOKRATES-Mobilitätsprogramm hat auch an der BOKU einen entscheidenden Beitrag zur Internationalisierung des Studiums geleistet. Allerdings sind nicht alle Studienrichtungen gleich aktiv an SOKRATES beteiligt, und es muss eines unserer Hauptanliegen der nächsten Jahre sein, noch mehr BOKU-Studierenden aller Studienrichtungen die Möglichkeit eines 1- oder 2-semestrigen Auslandsaufenthaltes zu ermöglichen. Ebenso wichtig ist die Steigerung der Zahl der hereinkommenden Studierenden, da einerseits ihre Präsenz bei den lokalen Universitätsangehörigen zu einer verbesserten Bewusstseinsbildung bezüglich der Situation von Austauschstudierenden führt, andererseits ihre Erfahrungsberichte an die Heimatuniversität künftige Mobilitäten in Richtung BOKU fördern sollten. Zur Förderung der Incoming-Mobilität ist die verstärkte Nutzung der in SOKRATES ebenfalls vorgesehenen Dozentenmobilität empfehlenswert. Um die Studierendenmobilität auch mit Ländern außerhalb Europas in verstärktem Maße realisieren zu können, ist der Abschluss von zusätzlichen Joint-Study-Programmen unverzichtbar. Da allerdings die Mobilität in Richtung BOKU aus Übersee noch schwieriger zu bewerkstelligen ist - das Hauptproblem liegt an den mangelnden Deutschkenntnissen - , kann die gewünschte Zahl von Abkommen nur erreicht werden, wenn die BOKU gleichzeitig ein repräsentatives Angebot an fremdsprachigen Lehrveranstaltungen anbietet. Dies kann sowohl durch Gastprofessor(inn)en im Wege kurzfristiger (2- bis 4-wöchiger) Aufenthalte als auch durch BOKU-eigene Vortragende gewährleistet werden, sofern diese über entsprechend gute Fremdsprachenkenntnisse verfügen.

Der in den Studienplänen verbindlich vorgesehene Besuch einer gewissen Anzahl von fremdsprachigen Lehrveranstaltungen soll es den BOKU-Studierenden erleichtern, mit ihrem Studienfach auch in einer Fremdsprache umzugehen und dementsprechend in der Folge in der Lage zu sein, fremdsprachige Publikationen zu verfassen bzw. im fremdsprachigen Ausland beruflich tätig zu werden

Im einzelnen sind folgende Vorgangsweisen vorgesehen:


  1. Einbau eines Fachs "Ausgewählte Kapitel aus . . . " (Selected Topics in . . .) in jedem Wahlfachblock (Modul) - mit einem dem/der jeweils anwesenden Gastprofessor/-in entsprechenden Untertitel (vgl. KTWW).

  2. Entwicklung interdisziplinärer Kursprogramme in englischer Sprache über einen Bereich mit besonderer BOKU-Kompetenz (vorzugsweise MSc-Programme)

  3. Abhaltung von interdisziplinären bzw. interuniversitären Sommer-Hochschulkursen und problemorientierten Lehrgängen mit internationaler Beteiligung: Diese sollen die Möglichkeit bieten, im Rahmen von Team-Teaching in- und ausländische Studierende und Vortragende mit internationalen Fragestellungen in der Fremdsprache zu konfrontieren.

  4. Verstärkte Bewerbung/ Nutzung der Fachsprache-Kurse, welche sowohl Fachvokabular als auch Kommunikations- und Präsentationstechniken in der Fremdsprache vermitteln.

Es ist Ziel der Universität für Bodenkultur, qualitativ hoch stehende Weiterbildungsangebote, insbesondere auf postgradualer Ebene, in Kooperation mit ausländischen Partnern zu entwickeln. Erforderlich ist dazu, internationale Weiterbildungsnetzwerke aufzubauen und zu pflegen sowie in internationalen Bildungsprojekten mitzuwirken.

ad FORSCHUNG:

Eine auch international attraktivere Lehre an der BOKU hat vorerst Priorität. Aber für die externe Akzeptanz und Reputation der BOKU ist sicher ihre Forschungskompetenz - vor Ort wie international - und damit letztlich auch die Qualität ihrer Lehrangebote die wichtigere Grundlage

  1. In diesem Zusammenhang soll die Mobilität von BOKU-ForscherInnen (Planstellen-InhaberInnen ebenso wie Drittmittelangestellte) deutlich verbessert werden, nicht zuletzt durch eine verstärkte aktive Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen (mit Vortrags- bzw. Poster-Beiträgen) sowie am WissenschafterInnen-Austausch mit ausländischen Forschungsinstitutionen. Die geistige Beweglichkeit in Lehre und Forschung sollte vor allem auch eine größere Mobilität in der Planstellenbewirtschaftung einschließen: die derzeitige Situation (Festschreiben von Planstellen-Inhabern) ist keine nachhaltige Lösung (im Sinne von "wise use") und führt zu einer unerwünschten Überalterung (damit werden Institute auch für Berufungsverhandlungen immer unattraktiver).
  2. Wissenschaftliche Forschung steht und fällt mit wissenschaftlichen Publikationen, vorzugsweise in referierten internationalen Journalen und Sammelpublikationen. Deshalb sollte bei der Abfassung fremdsprachiger (in erster Linie englischer) Publikationen mehr Hilfestellung geboten, gleichzeitig aber auch stärker auf das sprachliche Niveau bei Publikationen in Deutsch geachtet werden. Darüber hinaus sollte versucht werden, die Mitgliedschaft/Mitarbeit von BOKU-Angehörigen in Boards of Editors /als Peer Reviewer bei internationalen Zeitschriften zu unterstützen. Die Mitarbeit in solchen Board of Editors bzw. als Peer Reviewer sollte ein Leistungskriterium sein und auch in der Leistungsvereinbarung einen Niederschlag finden.
  3. Die Verbesserung der Forschungsqualität legt u.a. auch eine geänderte Vorgangsweise bei der Beurteilung von Diplomarbeiten und Dissertationen nahe: bei Diplomarbeiten sind zwei Begutachter/BetreuerInnen vorzusehen, welche ihre Beurteilungen mit schriftlichen Begründungen und Erläuterungen zu versehen haben, bei Dissertationen zusätzlich mindestens ein(e) externe(r) (internationale(r)) Begutachter(in). Idealerweise sollte ein Dissertations-Panel, bestehend aus drei BegutachterInnen geschaffen werden. Des Weiteren ist die laufende Betreuung der Dissertation zu verbessern. Das Mentorensystem ist hier bereits ein Fortschritt und eine wichtige Maßnahme; eine Weiterentwicklung und Ausweitung in Richtung PhD ist aber wesentlich! In diesem
  4. Bei Habilitationen und Berufungen ist stärker auf internationale Erfahrung, bisherige Einbindung in internationale Projekte sowie einschlägige Initiativen (z.B. im Rahmen von EU-Programmen) der Kandidaten zu achten. Das Habilitationsverfahren sollte im Übrigen unter Beiziehung zumindest eines internationalen Gutachters einen erhöhten Stellenwert bekommen.
  5. Die im Strategiepapier angesprochenen interdisziplinären Forschungskooperationen, nicht zuletzt auch BOKU-intern, sind verstärkt zu entwickeln, auch wenn dafür die seit 1999 vom Rektor ausgeschriebene Forschungsstimulierung nicht in jedem Fall zum Zuge kommen kann.

 

ad NETZWERKE:
a)

EZA-Netzwerke in Ostafrika (z.B. Kenia, Uganda, Tansania, Äthiopien), Asien (Nepal, Bhutan, Bangladesh, China, Mongolei, Südostasien, z.B. verstärkte Mitarbeit im ASEA-Uninet oder dem Eurasien-Pazifik-Netzwerk) und Lateinamerika (Mexiko, Peru), um bisherige Kontakte effizienter zu gestalten und seitens des ÖAD wirksamere Unterstützung (PhD-Sandwich-Stipendiaten / Betreuer) zu erhalten; die Entwicklung von multilateralen Forschungsprojekten im Rahmen von EU-Förderungsprogrammen (z.B. INCO-Dev) ist als vorrangige Zielsetzung im Forschungsbereich vorzusehen

b)

Osteuropa-Netzwerk: Die Studierendenmobilität im Rahmen von TEMPUS wird schrittweise mit SOCRATES vereinigt; damit wird der europäische Studierendenbewegungsraum vereinheitlicht und erweitert und die Einbindung der osteuropäischen Studierenden wesentlich erleichtert. Zu Beginn ist allerdings - vorwiegend aus Sprachgründen - eine Einbahn-Mobilität aus dieser Richtung zu erwarten.
Forschungskooperationen mit Ländern Mittel-Ost-Europas haben seit Beginn der 90er-Jahre neue Perspektiven für BOKU-WissenschafterInnen eröffnet. Ihr weiterer Ausbau auf der multi-lateralen Ebene (durch EU-Förderung über INCO-Copernicus, INTAS bzw. durch bilaterale AKTIONs-Programme) ist für die BOKU aufgrund der geopolitischen Lage Österreichs eine große Chance, aber gleichzeitig auch eine Verpflichtung.

c)

Mittel-Südamerika: die bereits bestehenden Kontakte mit der UNAM in Mexiko sowie mit der UNALM in Peru könnten vor allem im Bereich Umweltschutz, Abwasser-Abfallwirtschaft o.a. besser koordiniert werden und dadurch ein höheres Maß an Synergie erzeugen.

 

ad Konsequenzen der Umsetzung

  1. Internationales Zentrum
    Die effiziente Betreuung der internationalen Beziehungen einer Universität in all ihren Ausprägungen (Studierenden- und Professorenaustausch, Kooperationsprojekte in Lehre und Forschung, internationale Öffentlichkeitsarbeit) erfordert das Vorhandensein eines funktionierenden Internationalen Zentrums, welches über eine adäquate personelle, finanzielle und räumliche Infrastruktur verfügen sollte. Insbesondere im Personalbereich muss für ausreichende Beratungskapazität gesorgt sein, da dem Internationalen Zentrum die zentrale Informationsvermittlungsrolle für den internationalen Bereich innerhalb der Universität zukommt. Auch die damit im Zusammenhang stehende Betreuungsfunktion insbesondere für ausländische Studierende darf nicht unterschätzt werden: eine adäquate Betreuung ist vielfach das entscheidende Kriterium für den Erfolg eines Austauschprogrammes.
    Zur effizienten Umsetzung einer Internationalisierungsstrategie im Bereich der Weiterbildung gehört der Ausbau der konzeptiven und organisatorischen Beratung im Hinblick auf die Entwicklung internationaler Weiterbildungsprogramme (Unterstützung bei der Projektentwicklung, Antragstellung und Durchführung, vor allem im Rahmen von EU-Förderprogrammen, Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit).

  2. Internationales Gremium

    Sowohl die erfolgreiche Implementierung der strategischen Zielsetzungen im internationalen Bereich als auch die laufende Vorbereitung von strategischen Entscheidungen wie etwa der Abschluss neuer Kooperationsvereinbarungen oder geographische bzw. fachliche Schwerpunktsetzungen, erfordern eine beratende Kommission, welche in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor, der Vizerektorin für Lehre und Internationales und dem Internationalen Zentrum tätig werden soll. Auch die 2001 erfolgte externe Evaluierung der Internationalisierung hat die Einrichtung eines solchen Gremiums empfohlen. Dieses im Dezember 2001 gegründete Gremium, welches aus Vertretern des Lehrkörpers, des ZIB und der Studierenden besteht, tritt in regelmäßigen Intervallen zusammen und arbeitet entsprechende Vorschläge aus. Zusätzlich werden bei Bedarf weitere BOKU-ExpertInnen eingeladen bzw. Untergruppen gebildet (z.B. für die Einrichtung internationaler Masterstudienprogramme wie derzeit mit Lincoln, Neuseeland).

  3. Fortbildung des Universitätspersonals

    Sofern die Internationalisierungsbemühungen der Universität nicht ein oberflächliches Lippenbekenntnis bleiben sollen, ist es erforderlich, das Universitätspersonal gründlich auf die neuen bzw. verstärkten internationalen Aufgabenstellungen vorzubereiten. Fortbildungskurse insbesondere in Fremdsprachen aber auch in interkulturellem Training müssen in ausreichendem Maße angeboten werden, um auf das immer stärker international ausgerichtete Umfeld auch entsprechend eingehen und reagieren zu können. .

  4. Personalentwicklung:

    Um die geplanten Maßnahmen effizient umsetzen zu können, wird die Universität entsprechende budgetäre Vorkehrungen zu treffen haben, die insbesondere die Bereiche Personalentwicklung und internationale Mobilität betreffen.

  5. Qualitätskontrolle

    Die Aufnahme einer internationalen Dimension in die strategische Planung der Universität schließt die Notwendigkeit ein, sowohl deren Realisierung als auch die Überprüfung der gegenwärtigen Qualität von Lehre, Weiterbildung und Forschung durch einen erprobten Mechanismus zu gewährleisten. Dementsprechend zieht die Implementierung einer internationalen Strategie unweigerlich die Notwendigkeit einer in regelmäßigen Abständen durchzuführenden Evaluierung nach sich. Im Sinne des vom Programme on Institutional Management of Higher Education der OECD ausgearbeiteten Evaluierungssystems IQRP (Internationalisation Quality Review Process) sollen universitäre Bildungseinrichtungen bei der Beurteilung und Verbesserung der Qualität ihrer internationalen Ausrichtung dadurch unterstützt werden, dass folgende Aspekte besonders beachtet werden: - die Effizienz der Verwirklichung/Umsetzung der von der Universität festgelegten Internationalisierungspolitik und die dabei angewendete Implementierungsstrategie - die Einbindung der internationalen Dimension in die Grundfunktionen und prioritären Ziele der Universität, um diese zu einem inhärenten Teil des universitären Selbstverständnis werden zu lassen. - die Aufnahme der Internationalisierung als wesentlichen Themenbereich in das allgemeine Qualitätskontrollsystem der Universität, wie es ja auch durch das UG 2002 und die Leistungsvereinbarungen vorgesehen ist.

Die BOKU bekennt sich zu diesem Evaluierungsschema und hat im Jahr 2001 eine erste entsprechende Evaluierung durchgeführt. .

 

 

 

ANHÄNGE:

Inhaltsverzeichnis der Anhänge:

  1. Richtlinien für Universitätskooperationsabkommen

    a. Memorandum of Understanding
    b. Kooperationsvereinbarung auf Fachbereichsebene
    c. Gesamtuniversitäre Kooperationen (= Universitätspartnerschaften)
    d. Richtlinien für den Abschluss künftiger Kooperationsabkommen

    i. Memoranda of Understanding
    ii. Fachbereichspartnerschaft
    iii. Gesamtuniversitäre Partnerschaft

  2. Richtlinien für die Vergabe der universitären Auslandsmittel

  3. Ansätze und Beiträge zu einer (auch internationalen) Image-Pflege von BOKU-Lehre und -Forschung

1) Richtlinien für Universitätskooperationsabkommen

Einleitung:
Die bis zum Jahr 1999 abgeschlossenen Kooperationsabkommen sind von gänzlich unterschiedlicher Intensität. Zum einen handelt es sich um lose Absichtserklärungen, in Zukunft enger kooperieren zu wollen, andere wiederum beinhalten konkrete Vereinbarungen, eine gewisse Anzahl von Studierenden und WissenschafterInnen auszutauschen. Die 1999 durchgeführte Evaluierung der bestehenden Universitätspartnerschaften (UPA) erbrachte neben einer sehr geringen Rücklaufquote (25%) vor allem die Einsicht, dass UPA offensichtlich für BOKU-WissenschafterInnen keinen sehr hohen Stellenwert hatten. Dementsprechend war es angezeigt, sowohl den Status der seinerzeitigen UPA rückwirkend neu zu definieren als auch vor allem für neu abzuschließende Kooperationsverträge klare Vorgaben zu machen, um in Zukunft Leerlauf bestmöglich zu vermeiden. Status der bestehenden Universitätskooperationsabkommen - Neudefinition - Perspektiven für die Zukunft: Die bestehenden UPA werden grundsätzlich beibehalten, allerdings werden sie in verschiedenen Gruppen kategorisiert, die auch für die Zuteilung von universitären Budgetmitteln relevant sind.

Alle mit * markierten MoU werden durch bilaterale SOKRATES-Abkommen in konkrete Aktivitäten umgesetzt.

Perspektiven für die Zukunft:alle diese Kooperationen können jederzeit belebt werden, sei es durch Vereinbarung eines regelmäßigen Studierenden- oder Gastvortragenden-Austausches, sei es durch gemeinsame Forschungsprojekte; insbesondere im europäischen Raum werden diese Kooperationen allerdings zumeist von SOKRATES-Vereinbarungen abgelöst, so dass ihr Weiterleben auf einer anderen Ebene gesichert ist. Insbesondere mit den Partneruniversitäten der östlichen Nachbarländer wurde im Sinne einer solchen Belebung vor einiger Zeit eine systematische "Kennenlern-Aktion" gestartet, wobei Fachkollegen einander im Rahmen von 1-tägigen Workshops ihre jeweiligen Fachbereiche vorstellen und die Möglichkeiten einer künftigen Zusammenarbeit ausloten können. Auch hier ergeben sich allerdings in den meisten Fällen Anknüpfungen, die in SOKRATES- oder CEEPUS-Vernetzungen bzw. in Anträge im Rahmen der Aktion "Österreich-Ungarn, bzw. -Tschechien, bzw. -Slowakei" münden. Das traditionelle Partnerschaftsabkommen wird dadurch obsolet.

Als Untergruppe dieser MoUs können Vereinbarungen angesehen werden, die lediglich abgeschlossen wurden, um gemeinsame Forschungsprojekte in einem gewissen Fachbereich durchführen zu können. Auch hier stehen seitens der Universität keinerlei Mittel zur Verfügung. Es soll durch den Vertrag nur signalisiert werden, dass die Universität an der Mitarbeit des betreffenden Instituts am internationalen Forschungsprojekt interessiert ist. Beispiele: Vereinbarungen mit:
Moi University, Eldoret, Kenia
University of Dar-es-Salaam, Tansania


d) RICHTLINIEN FÜR DEN ABSCHLUSS KÜNFTIGER KOOPERATIONSABKOMMEN:

  1. Universitätskooperationsabkommen zwischen der BOKU und ausländischen Universitäten können abgeschlossen werden, wenn folgende Kriterien gegeben sind:

Memoranda of Understanding:

grundsätzlich sollte der Abschluß von neuen MoU äußerst restriktiv gehandhabt werden

Fachbereichspartnerschaft:
folgende zusätzliche Kriterien sind zu beachten:

Gesamtuniversitäre Partnerschaft:
folgende zusätzliche Kriterien sind zu beachten:

2) RICHTLINIEN FÜR DIE KÜNFTIGE VERGABE DER UNIVERSITÄREN AUSLANDSMITTEL

Einleitung:
Die zur Zeit vom Zentrum für internationale Beziehungen verwalteten "MITTEL ZUR FÖRDERUNG DER AUSLANDSBEZIEHUNGEN DER ÖSTERREICHISCHEN UNIVERSITÄTEN" umfassen folgende Töpfe:

  1. Allgemeine Mittel zur Förderung der Auslandsbeziehungen der Universitäten
  2. Mittel zur Anbahnung und Durchführung von Lehr-und Weiterbildungs- bzw. Forschungsaktivitäten im Zusammenhang mit universitären Partnerschaftsabkommen
  3. Stipendien für Auslandsstudienaufenthalte im Rahmen von universitären Austausch-programmen (Joint-Study Programme)
  4. Stipendien zur Durchführung von kurzfristigen wissenschaftlichen Arbeiten im Ausland sowie zum Besuch von fachspezifischen Kursen im Ausland

Während die Ansätze 3) und 4) ausschließlich für ordentliche Studierende und Graduierte mit EU- bzw. EWR- Staatsbürgerschaft, die an der Universität für Bodenkultur zugelassen sind, verwendet werden (Diplomanden und Dissertanten) [4) darüberhinaus auch für Universitätsangehörige im Habilitationsstadium], stehen die Töpfe 1) und 2) UniversitätslehrerInnen (mit Dienstverhältnis zur Universität) zur Verfügung und werden ab sofort nach folgenden Kriterien vergeben:

Allgemeine Mittel zur Förderung der Auslandsbeziehungen der Universitäten:

Mittel zur Anbahnung und Durchführung von Partnerschaftsabkommen:

Hinsichtlich der Höhe der Förderung gelten folgende Richtsätze:

Insbesondere soll auf 3 Regelungen hingewiesen werden, die für die zukünftige Vergabe dieser Förderungen entscheidend sein werden:

Abwicklung:
Die Antragstellung erfolgt über das ZIB und wird zur Begutachtung und Entscheidung der Vizerektorin für Lehre und Internationales / dem Rektor übermittelt. Bei positiver Begutachtung wird dem Internationalen Gremium in der nächstfolgenden Sitzung eine Liste aller bewilligten Aktivitäten vorgelegt.

Nach Durchführung der betreffenden Auslandsaktivität ist dem ZIB ein Bericht vorzulegen. Um größtmögliche Effizienz bei der Vergabe der Internationalen Mittel zu gewährleisten, soll vom ZIB einmal pro Jahr ein Follow-up sämtlicher im Jahr zuvor durch universitäre Mittel geförderten Auslandsaktivitäten von BOKU-Wissenschaftern durchgeführt werden. Das Resultat dieser Erhebung soll als Grundlage für die weitere Vergabepraxis dienen.

3) ANSÄTZE UND BEITRÄGE ZU EINER NATIONALEN UND INTERNATIONALEN IMAGE-PFLEGE VON BOKU-LEHRE UND -FORSCHUNG

1.
Diplomarbeiten bzw. Magisterarbeiten gehören zur Ausbildung und stellen einen Befähigungsnachweis über die Handhabung etablierter Methoden bei der Bearbeitung eines mehr oder weniger praktischen Problems dar. Im optimalen Fall werden Methoden (weiter)entwickelt bzw. wissenschaftlich hochkarätige Ergebnisse vorgelegt. Inzwischen gibt es seit der letzten Novelle der Studienpläne Module zur Spezialisierung. Im Rahmen der verschiedenen Mastercurricula werden zusätzliche noch weitergehende Vertiefungen in einen Fachbereich ermöglicht (und im Diploma-Supplement dokumentiert) - diese Spezialisierungsangebote sind zu nutzen.

Dissertationen müssen eigenständige wissenschaftliche Forschungsansätze beinhalten und sollten einem internationalen Publikum zugänglich gemacht werden (vorzugsweise durch Publikation der Ergebnisse in Zeitschriften mit Peer-Review-System). Der hohe Anteil an Erstautorenschaft ist nachzuweisen

2.
Das ergibt sich schon weitgehend bei im Ausland durchgeführten Diplomarbeiten, sodass sich hierbei Anregungen und Erfahrungen aufgreifen lassen. Außerdem kommt es dabei auch meist zu doppelter Bewertung der Diplomarbeit, und zwar nicht nur über eine einfache Punkte- oder Noten-Zuerkennung, sondern in schriftlich-gutachtlicher Form: Es wird deshalb empfohlen, die Beurteilung unserer Diplomarbeiten künftig ebenso wie jene der Dissertationen zu handhaben. Das wird nicht nur den Informationsfluss an der BOKU fördern und stärker rückkoppeln, sondern uns diesbezüglich auch näher an internationale Standards (zB an jene für Marie-Curie-Stipendien bzw. an die von Habilitationen) heranführen.

3.
Ein anderer Ansatz ist in der bereits oben angeregten Netzwerkbildung BOKU-intern (bzw. mit BOKU-Dominanz oder wenigstens stärkerer Präsenz, z. B. bei EU-Projekten) zu sehen: auf diesem Wege können nicht nur BOKU-intern Informationsfluss, Bewusstheit und Corporate Identity interdisziplinär erheblich verbessert, sondern auch international Ansehen und Kompetenz deutlich erhöht werden. Dem kommt die seit 1999 vom Rektor eingerichtete "Forschungsstimulierung BOKU-interdisziplinär" stark entgegen.

4.
Verstärkte Präsenz der Forschungsaktivitäten, von Gastprofessor(inn)en usw. in der BOKU-Broschüre oder in der BOKU Forschungsdatenbank sind dann nur ein konsequentes Mittel zu entsprechender Selbstvermarktung (und sollten nicht mehr länger, wenn auch wohl nur vereinzelt, als zu lästig angesehen werden).

5.
Das gilt auch, wenn man an der BOKU versuchen (und empfehlen) sollte, für eine Reihe besonders progressiver bzw. problemorientierter Fachbereiche Kplus-Kooperationen bzw. "Centers of Excellence" zu entwickeln und in der Forschung hier auch den interdisziplinären Konnex international auszubauen, z.B. durch die Einrichtung von Wissenschaftskollegs. Wesentlich in diesem Zusammenhang erscheint es, sich regelmäßig einer externen/internationalen Evaluierung (auch in der Forschung) zu unterziehen, um daraus diesbezügliche Anreize und Anregungen zu beziehen

6.
In Hinblick auf eine solche Evaluierung, aber auch auf die Leistungsvereinbarung sind Qualitätssicherungsmaßnahmen weiterzuentwickeln. Evaluierung darf sich nicht nur auf die Lehrveranstaltungsevaluierung beschränken, sondern muss in ein gesamtuniversitäres Qualitätsmanagementsystem eingebettet sein.

7.
Die bisher erläuterten Möglichkeiten machen deutlich, dass eine "Internationalisierungsstrategie" nicht (nur) eine externe oder abgehobene Angelegenheit ist, sondern gesamt-universitär aufgegriffen werden muss, will/soll sie auch nach außen das BOKU-Image verbessern helfen. Das Schlagwort "Internationalisation at Home" verdeutlicht diesen Aspekt der gesamtuniversitären Dimension: durch Einladung von GastprofessorInnen, Abhaltung von internationalen Lehrveranstaltungen (Intensivprogrammen, Videokonferenz-Seminaren, Lehrveranstaltungen mit Beteiligung von Gaststudierenden), aber auch durch Kontakte mit ausländischen Lehrenden und Studierenden im Verwaltungsbereich entsteht eine internationale Atmosphäre, die sowohl BOKU-intern als auch nach außen wirkt und den Ruf der BOKU als "internationale Vorreiterinstitution" festigt.

Last Update: September 2003, Internationales Gremium / ZIB ZIB