BOKU Nachhaltigkeitsverständnis


Dieses Dokument legt die grundlegenden Züge des Nachhaltigkeitsverständnisses der BOKU als Ganzes dar. Es beschreibt damit aus Sicht der BOKU, wie Nachhaltigkeit verstanden wird, was nachhaltige Aktivitäten auszeichnet und legt ein Bekenntnis zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit ab. Es schreibt aber in keiner Weise vor, dass sich alle Aktivitäten der BOKU daran ausrichten müssen. Eine weiterführende Spezifizierung kann von Departments, Verwaltung und Gremien der BOKU innerhalb dieses Rahmens durchgeführt werden.

Einleitung und Kurzfassung

Die BOKU bekennt sich zu den allgemeinen Prinzipien von Nachhaltigkeit in allen Bereichen ihres Wirkens, d.h. in Forschung, Lehre, im täglichen Betrieb (soziale Verantwortung, Umweltmanagement), in ihrer Organisationskultur, sowie in der Wechselwirkung zwischen BOKU und Gesellschaft (Wissenstransfer, gesellschaftlicher Diskurs, Öffentlichkeitsarbeit). Darüber hinaus wird Nachhaltigkeit als Rahmenbedingung für strategische Entscheidungen gesehen. Zu den allgemeinen Prinzipien der Nachhaltigkeit zählen u.a. Ressourcenschutz/-schonung, Gerechtigkeit, Resilienz, systemische und interdisziplinäre Betrachtungen, langfristige Aufrechterhaltung der Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitiger konsequenter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte  (näheres s. Anhang).

Alle BOKU-Angehörigen sind eingeladen, sich in das Bemühen um mehr Nachhaltigkeit an der BOKU durch Teilnahme an Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Einbringen von nachhaltigkeitsrelevanten Ideen einzubringen. Ebenso sind BOKU-Alumni, Wirtschaftspartner und das räumliche und thematische BOKU-Umfeld einbezogen bzw. zur Mitarbeit eingeladen. Ziele und Maßnahmen der BOKU-Nachhaltigkeitsarbeit werden einer periodischen Reflexion und Überarbeitung unterworfen, um aktuellen Entwicklungen und verbesserten Möglichkeiten für einen Ausbau der Nachhaltigkeitsaktivitäten Rechnung zu tragen.


1. Nachhaltigkeit in der BOKU-Forschung

Nachhaltigkeit wird in der BOKU-Forschung auf drei Arten betrachtet und gefördert:

(1) Forschung für eine nachhaltige Entwicklung generiert die Wissensbasis und mögliche Umsetzungspfade, die die Gesellschaft bei einer Transformation zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen kann. Dazu gehören auch innovative Strategien, Prozesse und Abläufe, die wesentlich zu Nachhaltigkeit beitragen. Forschung für eine nachhaltige Entwicklung beachtet konsequent die Prinzipien und Dimensionen der Nachhaltigkeit (s. Anhang) und basiert – insbesondere in angewandten Forschungsbereichen – auf einer systemischen Sichtweise, die es ermöglicht, die Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung in den jeweiligen Wirkungsfeldern zu erkennen. Diesem Anspruch gerecht zu werden, erfordert neben disziplinärer Exzellenz oftmals den Einsatz inter- sowie transdisziplinärer [1] Methoden.

(2) Forschung über Nachhaltigkeit entwickelt Theorien und Konzepte der Nachhaltigkeit und reflektiert gesellschaftliche Nachhaltigkeitsprozesse [2] und die dahinter stehenden Entscheidungs-, Anpassungs- und Lernprozesse. Auch Forschung für eine nachhaltige Entwicklung wird hinsichtlich ihrer spezifischen Methoden, Ziele und Wirkungen in der Gesellschaft analysiert.

Darüber hinaus bemüht sich die BOKU (3) Nachhaltigkeit in der Durchführung von Forschung zu stärken. Dazu gehört neben der Berücksichtigung ökologischer Auswirkungen (s. institutionelles Prinzip) auch das Bemühen um allgemein zugängliche Veröffentlichung von Forschungsergebnissen sowie um gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzung von Forschungsergebnissen.


2. Nachhaltigkeit in der BOKU-Lehre

Nachhaltigkeits-bezogene Lehre [3] zeichnet sich durch die Berücksichtigung und Vermittlung der inhaltlichen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung sowie der Grand Challenges [4] und eine kritische Reflexion nicht-nachhaltiger Entwicklungen in der Gesellschaft aus (Nachhaltigkeit als thematischer Lerninhalt). Darüber hinaus nutzt sie auch geeignete didaktische Ansätze, um der hohen Komplexität von nachhaltigkeits-bezogenen Problem- und Fragestellungen gerecht zu werden. Dazu gehören u.a. diskursive, partizipative Lehrformen, system- und problemorientierte Betrachtungen sowie inter- und transdisziplinäre Ansätze.

Nachhaltigkeits-bezogene Lehre an der BOKU verfolgt das zentrale Ziel, Bewusstsein sowie Problemlösungskompetenzen bei den Studierenden für Ziele bzw. Inhalte der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen – sodass BOKU-AbsolventInnen befähigt werden, bei der Entwicklung von nachhaltigen Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen bzw. diesbezüglicher Entscheidungs- und Lernprozesse mitzuwirken.


3. Nachhaltigkeit als institutionelles Prinzip an der BOKU („Nachhaltigkeit leben“)

Nachhaltigkeit als institutionelles Prinzip erstreckt sich von Nachhaltigkeit in der Organisationskultur und strategischen Belangen über Wechselwirkungen der BOKU mit der Gesellschaft bis zum Umweltmanagement.

Eine nachhaltige Organisationskultur an der BOKU bedeutet, einer aktiven Bewusstseinsbildung und Reflexion über Nachhaltigkeit und nachhaltige Werte Raum zu geben. Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen, soziale Verantwortung und die Entwicklung eines diesbezüglichen „BOKU-Spirits“ sind dabei wesentliche Punkte. Darunter fällt auch die besondere Beachtung und Förderung der sozialen und kulturellen Aktivitäten von BOKU-Angehörigen (Studierenden und MitarbeiterInnen). Auch strategische Weichenstellungen für die Zukunft der BOKU – wie Entwicklungspläne, Ausschreibungen oder neue Studienpläne – orientieren sich u.a. an den Prinzipien der Nachhaltigkeit (s.a. Anhang).  

Nachhaltigkeit ist an der BOKU ein zentrales Element der strategischen Kommunikation, des Wissenstransfers und der Öffentlichkeitsarbeit zur Umsetzung der gesellschaftlichen Verantwortung als Universität. Dabei geht es – sowohl BOKU-intern als auch BOKU-extern – u.a. um Wissensweitergabe (ExpertInnenwissen) und -austausch, die Beantwortung aktueller Fragen der Gesellschaft, um Sensibilisierung und Verstärkung nachhaltiger Werte sowie um Kooperationen mit der Wirtschaft. Intern achtet die BOKU auf Partizipation der MitarbeiterInnen in wichtigen Entscheidungsprozessen sowie in den Abläufen der drei zentralen universitären Aufgabenbereiche Forschung, Lehre und der gesellschaftlichen Aufgaben (z.B. Weiterbildung, Technologietransfer, Politikberatung etc.)

Darüber hinaus bemüht sich die BOKU laufend um Verbesserungen des Umweltmanagements im Universitätsbetrieb (z.B. in den Bereichen Energie, Beschaffung, Ernährung, Mobilität etc.), was sich auch in den regelmäßigen Umwelterklärungen niederschlägt. Wesentlich dabei ist auch, den Anforderungen der Nachhaltigkeit soweit wie möglich in der Durchführung von Forschungs- und Lehrprojekten gerecht zu werden, z.B. durch die Verringerung von CO2-Emissionen bei Forschungsreisen oder attraktive Rahmenbedingungen für Forschende.


Fußnoten

[1] Unter Interdisziplinarität wird im Nachhaltigkeits-Kontext die Zusammenarbeit über die wissenschaftlichen Disziplin-Grenzen hinaus verstanden – unter Entwicklung einer gemeinsamen Sprache, neuer Methoden und gemeinsamer Fragestellungen (RESCUE, 2011).

Transdisziplinarität wird hier entsprechend der Definition des Nachhaltigkeits-Forschungsprograms „Provision“ des österreichischen BMWF verwendet als „jene wissenschaftliche Arbeit, in der außerwissenschaftliche Partner, Partnerinnen an der Entstehung des Wissens mitwirken, ihre Problemsicht, ihr Wissen, ihre Erfahrungen in die Forschung einbringen und dadurch die Schlagkraft der Wissenschaft verbessern.“ (siehe: http://wissenschaft.bmwfw.gv.at/bmwfw/forschung/national/programme-schwerpunkte/provision/)

[2] z.B. betriebliche CSR-Prozesse, Lokale Agenda 21 Prozesse, nationale Nachhaltigkeitsstrategien

[3] Bzw. Bildung für nachhaltige Entwicklung (vgl. Michelsen, 2006)

[4] „Grand Challenges“ - Globalen Herausforderungen: Hierzu zählen u.a. Klimawandel, Ressourcenverknappung (Wasser, Boden, nicht erneuerbare Rohstoffe) Ernährungssicherheit, Energieversorgung, Biodiversitätsverlust, demografischer Wandel, soziale Sicherheit, Migration