09.03.2012


Pilze aus der Arktis: Neue Quellen für Arzneimittel und Kosmetika (09.03.2012)

Die Stadt Wien unterstützt die Gründung des „VIBT-Extremophile Center“ an der BOKU und ermöglicht die Anschaffung von Spezialgeräten zur Erforschung von Stress und Zellschutz.

„Durchhalten“ lautet das Motto für zahlreiche Pilze und andere Mikroorganismen, die unter extremen Lebensbedingungen in heißen Wüstengebieten, im ewigen Eis der Polargebiete, in Trockenheit und praller Sonne auf Gesteinsoberflächen, und in schwermetallhaltigen Gewässern vorkommen. Manche dieser extremotoleranten Mikroben besiedeln sogar Gebiete, die uns als absolut lebensfeindlich erscheinen: mit Öl- und Dioxin verseuchte Böden, saure Bergbauabwässer, radioaktiv verstrahlte Gebiete und sogar Atommeiler sind von einer Vielzahl mikroskopisch kleiner Organismen – darunter zahlreiche Pilze und Hefen – besiedelt, die dort nicht nur überleben sondern Umweltgifte sogar als Nahrungsgrundlage nutzen und abbauen.

An der BOKU soll nun ein Team unter Leitung der Geomikrobiologin Katja Sterflinger erforschen, welche zellulären Eigenschaften – z.B. spezielle Proteine, Zucker, Pigmente oder andere Sekundärstoffe - den extremophilen Mikroben beim Überleben helfen. Diese können dann gezielt eingesetzt werden, um menschliche Zellen gegen negative Umwelteinflüsse zu schützen, freie Radikale unschädlich zu machen, UV-Schäden in der Haut vorzubeugen und Schadstoffe abzubauen, die unsere Umwelt beeinträchtigen.

An der BOKU wird eine in Europa einzigartige Klimakammer gebaut, in der sich Mikroorganismen auf vielfältige Art und Weise„stressen“ lassen müssen; die zellulären Reaktionen werden auf Basis von Transkriptom und Proteom analysiert. Die Ausstattung des VIBT-Extremophile Centers wird aus Mitteln der Stadt Wien (Zentrum für Innovation und Technologie) finanziert; der neue Schwerpunkt wird vom VIBT-EQ Beirat und dem Rektorat der BOKU in vollem Umfang unterstützt und soll im Herbst in die Gründung des VIBT-Extremophile Centers münden.

Kontakt / Rückfragen:
Prof. Dr. Katja Sterflinger-Gleixner
BOKU-Department für Biotechnologie
Angewandte Mikrobiologie
Tel.: (Wien) 47654 6260
katja.sterflinger(at)boku.ac.at