29.11.2011


Waldbrandrekord für November - neues Warnsystem startet 2012 (29.11.2011)

Die Rekordtrockenheit in diesem November bereitet nicht nur den Skiliftbetrieben Probleme. Bis jetzt wurden allein im November dieses Jahres österreichweit 17 Waldbrände registriert, so viele wie noch nie. Der flächengrößte Brand in Reißeck, Kärnten, betraf rund zehn Hektar - die größte Brandfläche in diesem Jahr. Frühestens Ende der Woche dürfte es ergiebigen Regen oder Schneefall geben. Bis dahin bleibt die akute Waldbrandgefahr aufrecht, was für diese Jahreszeit in Österreich außergewöhnlich ist. Besonders in Lagen über eintausend Meter, also über der Nebelgrenze, sind Bodenvegetation und Laub ausgedörrt. Hier kann bereits ein Funken oder der Glutrest einer Zigarette zu einem verheerenden Waldbrand führen. Vorsicht ist daher angebracht.

 

Waldbrandforschung an der BOKU
An der Universität für Bodenkultur Wien am Institut für Waldbau werden seit 2008 das Auftreten, die Verteilung, die Ursachen und Charakteristika von Waldbränden in Österreich im Rahmen einer durch den FWF finanzierten Forschungsinitiative (AFFRI) analysiert. Die Datenreihe erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und umfasst rund 2000 Waldbrände. Die meisten Feuer werden im Frühjahr und Sommer registriert, besonders Herbstbrände sind – oder waren bisher – die Ausnahme. Teile von Kärnten und Tirol sowie die südlichen Regionen von Niederösterreich sind vergleichsweise häufig von Waldbränden betroffen. In den meisten Fällen liegt die Brandursache im menschlichen Verhalten: Sei es direkt - durch ein außer Kontrolle geratenes Feuer (etwa Lagerfeuer, Schlagabraum) - oder indirekt, durch eine gerissene Stromleitung oder achtlos weggeworfene Zigarette. In den Sommermonaten spielen auch Blitzschlagbrände eine Rolle. Über das Jahr gesehen machen sie nur 15% aus, von Juni bis August kann ihr Anteil aber 40% betragen.

 

2011 durch Trockenperioden im Waldbrand-Spitzenfeld
Nach bisherigem Wissen gab es im Jahr 2011 mehr als 190 Waldbrände, wobei die Trockenperioden im Frühjahr und jetzt im Herbst eine bedeutende Rolle spielten. Allein im April traten 62 Waldbrände auf. Sucht man ein Jahr mit mehr Feuern, muss man bis 2007 zurückgehen. Damals gab es – bedingt durch ein extrem trockenes Frühjahr – mehr als 240 Brände. Im Vergleich mit anderen Ländern im alpinen Raum hat sich gezeigt, dass in den letzten Jahren vor allem auf der Südseite der Alpen eine deutliche Zunahme von Brandereignissen zu beobachten war. Durch die lange Trockenperiode im Herbst wird dieser Trend auch in Österreich bestätigt. Heimische Wälder stellen bislang keine waldbrandgefährdeten Ökosysteme dar. Mit der laufenden Klimaerwärmung ist allerdings anzunehmen, dass Trockenperioden und damit auch Waldbrände in Österreich häufiger werden. Dass die österreichischen Waldbrände jedoch selten mehr als einen Hektar Fläche betreffen, liegt unter anderem an der hervorragenden Infrastruktur und dem dichten Netz an Freiwilligen Feuerwehren.

 

Neues Waldbrand-Warnsystem für Österreich
Der Vorhersage und Warnung vor Waldbränden wurde bislang wenig Beachtung geschenkt. Das soll sich nun ändern. Zusammen mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) nimmt die BOKU am EU-Projekt ALP FFIRS (Alpine Forest Fire Warning System) teil. Eines der Ziele ist die Implementierung eines alpinweiten Warnsystems, welches das aktuelle Wettergeschehen, die vorhandene Vegetation und sozioökonomische Faktoren bei der Vorhersage von Waldbränden berücksichtigt. Als Hauptaufgabe gilt die Bereitstellung einer Entscheidungshilfe für die Behörden und Feuerwehren, um das Waldbrandrisiko besser und genauer abschätzen zu können. Im Frühjahr 2012 startet der operationelle Betrieb der österreichischen Warnplattform auf der Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Ähnlich dem derzeitigen Wettervorwarnsystem werden tagesaktuelle Analysen des Waldbrandrisikos sowie entsprechende Vorhersagen erstellt und aufbereitet. Diese Vorwarnungen sind öffentlich zugänglich und können von allen Interessierten abgerufen werden.

 

Kontakt / Rückfragen:
Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Harald Vacik
Institut für Waldbau, Department für Wald- und Bodenwissenschaften
BOKU - Universität für Bodenkultur Wien
A-1190 Wien, Peter Jordanstr. 82
e-mail: harald.vacik(at)boku.ac.at
Waldbrand-Homepage: www.wabo.boku.ac.at/waldbrand.html

 

Mag. Christine Gruber
Fachabteilung Vorhersagemodelle/Applikationen
ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
A-1190 Wien, Hohe Warte 38
Tel.: 01 360 26 2327
e-mail: christine.gruber(at)zamg.ac.at
Web: www.zamg.ac.at