13.01.2011


Nationalpark Donau-Auen: WissenschafterInnen schlagen Alarm (13.01.2011)

Seit das Kraftwerk Hainburg gestoppt wurde geht die Sohleintiefung der Donau östlich von Wien weiter und führt sukzessive zum ökologisch unerwünschten Absinken des Wasserspiegels und damit zu einem Austrocknen des Nationalparks Donau-Auen. Führende WissenschafterInnen der Universität für Bodenkultur Wien, Universität Wien, der Technischen Universität Wien und des WasserClusters Lunz unterstützen gemeinsam den innovativen flussbaulichen Ansatz zur Unterbindung der Sohleintiefung und Verbesserung des ökologischen Zustands des Nationalparks. Dieser Ansatz wurde von Ökologen und Wasserbauern gemeinsam entwickelt.

Aus Anlass der aktuellen Diskussion um die Donau östlich von Wien haben über 140 namhafte WissenschafterInnen verschiedenster Fach- bzw. Forschungsdisziplinen (vom Wasserbau bis zur Ökologie) der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur - darunter ein Rektor und Vizerektor - sowie des Wasserclusters Lunz eine Petition für das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg / Donau erstellt. Diese ExpertInnen stellen sich ebenso wie die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates des Nationalparks Donau-Auen offen und vollinhaltlich hinter eine flussbauliche Lösung der Eintiefungsproblematik der freifließenden Donau und das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg. Damit soll einmal mehr die Notwendigkeit dieses bedeutenden wasserbaulichen Pilotvorhabens bekräftigt werden. Die nun neuerdings lancierten Vorschläge, in absehbarer Zeit gar nichts zu tun würden die Situation unhaltbar verschlechtern.

Aus Sicht der WissenschafterInnen ist es an der Zeit, zur Bekämpfung der Sohleintiefung die eigens für die frei fließende Strecke östlich von Wien entwickelte Sohlvergröberung (Granulometrische Sohlverbesserung) der Donau im Rahmen des vorgesehenen Pilotprojektes bei Bad Deutsch-Altenburg zu erproben um dringend notwendige, wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse für weitere Maßnahmen zu gewinnen. Weitere Verzögerungen verschärfen die negativen Folgen der Eintiefung – insbesondere die Austrocknungstendenzen im Nationalpark Donau-Auen. Selbst die in den letzten Jahren im Rahmen von EU-Lifeprojekten durchgeführten Revitalisierungsmaßnahmen sind durch die Eintiefung schon wieder negativ betroffen.

Es ist den WissenschafterInnen aller drei in Wien fachlich relevanten Universitäten ein dringendes Anliegen aufzuzeigen, dass seit 2002 einerseits durch die Planungsaktivitäten und andererseits speziell im Rahmen des Leitungsausschusses des Flussbaulichen Gesamtprojektes (FGP) sehr viel Know-how und Forschungsleistung in die Rettung der Donau-Auen bzw. der frei fließenden Donaustrecke und nachhaltige Nutzungsperspektiven eingeflossen ist.

Der integrative Planungsansatz gilt europaweit als vorbildlich; zeigt er doch, dass der Schutz des Lebensraums und die Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse kein Widerspruch sein müssen, wie dies die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) in ihrer jüngsten Resolution betont.

Das im Pilotprojekt vorgesehene wissenschaftliche Monitoring garantiert objektive Aussagen, dass alle gewonnenen Erkenntnisse direkt in die weitere Planung des FGP einfließen und der oft beanspruchte Leitsatz „Lernen vom Fluss“ auch tatsächlich gelebt wird. Ohne das Pilotprojekt ist eine flussbauliche Lösung des Problems der Eintiefung nicht realisierbar.

Auf aktive Maßnahmen zu verzichten ist KEINE sinnvolle Alternative. Dies würde nur dazu führen, dass künftig weit drastischere Eingriffe erforderlich werden und das bereits deutlich angeschlagene Fluss Auensystem irreparablen Schaden nähme.

In diesem Sinne treten die WissenschafterInnen für dieses Projekt ein und unterstützen es vollinhaltlich. Sie appellieren für eine rasche Umsetzung der geplanten Arbeiten am Fluss, die für die Erhaltung eines vitalen und gesunden Nationalparks erforderlich sind und einer ganzen Region zugute kommen.

Von Bedeutung ist auch, dass sich wesentliche Mitgliedsorganisationen des Umweltdachverbandes wie Birdlife Österreich, Naturschutzbund Niederösterreich und der österreichische Fischereiverband als übergeordneter Bundesdachverband aller Landesfischereiverbände zum Pilotprojekt bekennen.

Die unterzeichnete Petition finden Sie als pdf-Dokument hier.

Kontakt:
Universität für Bodenkultur Wien
Öffentlichkeitsarbeit & Medieninformation
Tel. (+43 1) 318 99 00 101
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