19.10.2010


BOKU-Vollversammlung: Gemeinsam ein Zeichen setzen (19.10.2010)

Gemeinsam ein Zeichen setzen war die erklärte Absicht bei der Vollversammlung an der BOKU. Hunderte Universitätsangehörige hatten sich auf Einladung des Rektorats und der ÖH BOKU im Freien eingefunden, um sich über die Lage an der BOKU zu informieren.

Martin Gerzabek - derzeit auf Dienstreise in Asien - übermittelte eine Botschaft an die Vollversammlung. Darin äußert der BOKU-Rektor die Sorge, ob die österreichischen Universitäten in Zukunft angesichts der sich abzeichnenden Finanzkrise und der bereits vorhandenen Rahmenbedingungen noch bevorzugte internationale Partner sein werden: „Die europäische Kommission hat erst vor 2 Wochen eine Innovationsstrategie für Europa vorgestellt. Darin werden unmissverständlich signifikante Investitionen in Bildung und Forschung verlangt. Wann wird die österreichische Politik darauf und somit auf die Stimme der Vernunft reagieren? Der BOKU als der Lebensuniversität kommt für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Österreichs eine besondere Rolle zu. Die in der Innovationsstrategie festgehaltenen Herausforderungen für die Zukunft wie „Klimawandel, Energie- und Ernährungssicherheit, Gesundheit und Bevölkerungsalterung“ betreffen mehrere Kernbereiche der BOKU-Forschung und -Lehre. Die BOKU muss daher weiterentwickelt werden. Das Rektorat fordert von der Politik eine ausreichende Universitätsfinanzierung und ein wissenschaftsfreundliches Klima. Bildung und Wissenschaft müssen wieder auf die tatsächliche politische Agenda kommen.“

Die Studierenden betonten ebenfalls die Forderung nach einer ausreichenden Finanzierung der BOKU. „Wer den Zugang zu den bedeutenden Themen Umwelt, Ressourcen, Ernährung und Energie beschränkt, wird die Probleme der Zukunft nicht lösen können. Deshalb sprechen wir uns klar gegen Zugangsbeschränkungen aus. Die Uni-Vollversammlung und der anschließende Sternmarsch sind ein erster wichtiger Schritt um Politik und Gesellschaft die Bedeutung von Bildung und Wissenschaft klar zu machen“, so die VertreterInnen der Studierenden an der BOKU, Mira Kapfinger und Martin Schott.

BOKU-Universitätsratsvorsitzender Werner Biffl machte darauf aufmerksam, dass es „in Zukunft in Österreich kaum mehr möglich sein wird, herausragende Persönlichkeiten als LehrerInnen und ForscherInnen an die Universitäten zu bringen. Damit sinkt die Ausbildungsqualität unserer Studierenden“.

BOKU-Senatvorsitzender Hubert Hasenauer griff, wie auch andere RednerInnen, die immer wieder als Allheilmittel zitierte Drittmitteleinwerbung auf - “Die Idee, mehr Forschungsgelder oder private Gelder zu lukrieren ist aus zwei Gründen naiv: Wir sind bereits am Limit - es gibt Studien, die zeigen, dass mehr als 35% Drittmittel in einem Universitätsumfeld nicht machbar sind.“ - und stellt die Frage, ob die Erwartungshaltung der Geldgeber dann noch eine unabhängige Forschung möglich machen würde.

Die BOKU-Vizerektorin für Lehre, Barbara Hinterstoisser, ließ Zahlen sprechen: Seit dem Jahr 2004 erhöhte sich der Personalstand an der BOKU um 7 Prozent, die Zahl der Studierenden hingegen um 100 Prozent. Dass sich damit das Betreuungsverhältnis dramatisch verschlechtert, liegt auf der Hand: Lehrveranstaltungen müssen mehrfach abgehalten werden, die Raumsituation ist völlig ungenügend.

Andrea Reithmayer, BOKU-Vizerektorin für Finanzen, forderte einmal mehr 2 % des BIP für den tertiären Bildungssektor und stellt klar, dass der BOKU bei den derzeitigen Budgetaussichten mittelfristig 33 Millionen Euro für den laufenden Betrieb fehlen.

Der Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal der BOKU, Peter Cepuder, sieht die Qualität von Lehre und Forschung in Gefahr: Durch befristete Anstellungsverhältnisse kann forschungsgeleitete Lehre nur schwer umgesetzt werden. Mit lediglich rund 30 % fix angestellten wissenschaftlichen Bediensteten ist universitäre Exzellenz aber nicht mehr machbar.

Auch die allgemeinen Bediensteten der BOKU sind von der finanziellen Lage massiv betroffen: „ Trotz vieler ‚kreativer’ Lösungen die Krisenzeiten mit sich bringen, ist der zunehmende Druck, der auf den MitarbeiterInnen lastet, nicht mehr zu bewältigen“ so Betriebsrätin Eva Baldrian. „Rektorat und Betriebsrat sind in derselben Ausgangssituation; wir nehmen die soziale Verantwortung sehr ernst – allerdings fehlt es an Mitteln.“

Stimmen der BOKU
Als weitere Aktivität nutzen BOKU-Angehörige die Gelegenheit, sich in einem gemeinsam gestalteten Webauftritt zu artikulieren und ihre Meinung zur prekären Lage der österreichischen Bildungslandschaft kund zu tun:

http://www.boku.ac.at/zid/Vollversammlung/stimmen.html

 Kontakt / Rückfragen:
O.Univ.-Prof. Dr. Josef Glößl
BOKU-Vizerektor für Foschung &
Internationale Forschungskooperation
josef.gloessl(at)boku.ac.at