16.05.2008


Klimawandel gefährdet Ernährungssicherheit in Afrika (16.5.2008)

Entwicklungsexperten der Universität für Bodenkultur (BOKU) trafen am
13. Mai auf Einladung des Wiener Instituts für Internationalen Dialog
und Zusammenarbeit (VIDC) mit Partnern aus dem südlichen und östlichen
Afrika zusammen, um über die Auswirkungen des Klimawandels auf die
Ernährungssicherheit in Afrika zu diskutieren. Die Experten sind sich
einig, dass vor allem die Ärmsten der Armen unter dem steigenden Druck
des Klimawandels leiden. Trotz der ernüchternden Bestandsaufnahme
zeigten die Experten Forschungs- und Entwicklungsstrategien auf, wie
negative Klimaauswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion
gelindert werden können.

Was bedeutet Klimawandel für Klein(st)bauern in Afrika?

Die Weltbank schätzt, dass aufgrund des Klimawandels 1.4 Milliarden
Menschen in 54 Ländern von Hunger betroffen sein werden. Viele davon
leiden bereits heute  an Mangelernährung. In der Wissenschaft herrscht
Uneinigkeit, wie und in welchem Ausmaß einzelne Regionen Afrikas vom
Klimawandel beeinträchtigt werden. Klimamodelle kommen zu
unterschiedlichen Ergebnissen, wie Josef Eitzinger, Klimaforscher an der
BOKU, präsentierte. Eines haben sie jedoch gemeinsam haben: sie
prognostizieren beunruhigende Trends für die landwirtschaftliche
Produktion in Afrika „Es ist allerdings schwierig, diese Modelle auf die
Ebene der lokalen bäuerlichen Gegebenheiten herunterzubrechen“, so
Robert Delve, Wissenschafter am Internationalen Zentrum für tropische
Landwirtschaft (CIAT) in Simbabwe. „Afrika ist zu heterogen um pauschal
begreifen zu können, was die globalen Klimatrends für arme Klein- und
Kleinstbauern bedeuten.“ In manchen Regionen wird es zu längeren
Trockenperioden kommen, in anderen wiederum werden Bauern vermehrt mit
Überschwemmungen zu kämpfen haben. 70 % der armen Bevölkerung Afrikas
leben in ländlichen Gebieten, wo sie auf Landwirtschaft zur Deckung
ihres Nahrungsmittelbedarfs angewiesen sind. Die unmittelbaren
Auswirkungen des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Produktion
sind vielfältig: Ernterückgänge, Bodenerosion, Verwüstung,
Pflanzenkrankheiten. Das Paradoxe dabei ist, dass Afrika am wenigsten zu
den Ursachen des Klimawandels beigetragen hat, jedoch am meisten
darunter leiden wird. Vor allem bei Grundnahrungsmitteln wie Mais ist
mit Ernteeinbußen von bis zu 30 Prozent innerhalb der nächsten 20 Jahre
zu rechnen.

Was können Forschung und Entwicklungspolitik tun?

Forschung muss aktionsorientiert sein und gemeinsam mit Bauern
Anpassungsstrategien entwickeln, die auf die Bedürfnisse von Kleinbauern
abzielen. Ziel muss es sein, durch nachhaltige Landnutztungssysteme die
landwirtschaftliche Produktivität und Nahrungsmittelproduktion zu
erhöhen. „Es gibt erfolgreiche Projekte, die zeigen, wie sich Bauern
an die neuen Herausforderungen mit geringem Aufwand vor den Auswirkungen
des Klimawandels schützen können.  Oft fehlt es aber an finanziellen
Mitteln, Entwicklungsprojekte auf einen breite Grundlage zu stellen“,
so Mary Jo Kakinda, Vertreterin der Nichtregierungsorganisation Africa
2000 Network. Damit fordert sie die internationale Gebergemeinschaft
auf, nachhaltige Landwirtschaft in Afrika gezielt zu fördern. „An den
finanziellen Mitteln sollte eine nachhaltige Entwicklung jedoch nicht
scheitern. Theoretisch wäre weltweit genügend Geld in Umlauf“, gab
Robert Delve zu bedenken.

Bildmaterial zu dieser Presseaussendung können wir auf Anfrage zur
Verfügung stellen.

Kontakt / Rückfragen:
Lisa Aigelsperger
Universität für Bodenkultur Wien
Research for Development Forum (DEV-FORUM)
Tel: 01-47654-3788
lisa.aigelsperger(at)boku.ac.at