08.01.2008


Alpenregionen gehen Verkehrsprobleme gemeinsam an (08.01.2008)

MONITRAF und ALPNAP arbeiten an gemeinsamen Ansätzen zur Verminderung
des Gütertransits auf der Straße

Die Anzahl der Lastwagen auf den Alpen-Transitachsen wächst in rasantem
Tempo - und mit den Lastern die Belastungen und die Risiken für die
Gesundheit der Anwohner. 133,2 Mio. t Güter rollten im Jahr 2006 auf den
Straßen durch den Alpenbogen; mehr als Hälfte davon waren Transitgüter.
Allein auf der Brennerautobahn waren im Jahr 2006 34,3 Mio. t Güter
unterwegs.

Maßnahmen wie zeitliche Fahrverbote, Maut, Überholverbote,
Geschwindigkeitsbeschränkungen, Ausbau und Verbesserung der
Bahninfrastrukturen können nur dann Früchte tragen, wenn die
Alpenregionen eng zusammenarbeiten. Einseitige Maßnahmen verschieben die
Verkehrsströme lediglich zwischen den Achsen: vom Gotthard auf den
Brenner, oder vom Frejus auf den Mont Blanc.

Die INTERREG-Projekte MONITRAF und ALPNAP haben in dreijähriger
Forschungsarbeit Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit der
Regionen geschaffen. In ihrer Abschlusskonferenz vom 23. bis 25. Jänner
in Innsbruck präsentieren die Projektpartner die Ergebnisse. Vorgestellt
werden die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit sowie ein
Maßnahmenpaket zur Verkehrsverminderung auf den vier betrachteten
Transitachsen Brenner, Gotthard, Frejus und Mont Blanc. Während der
Konferenz werden politische Vertreter von sieben Alpenregionen eine
gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnen. Die Erklärung wird die Basis
für ein aufeinander abgestimmtes Handeln im Bereich des
Straßengütertransitverkehrs in Tirol, Südtirol, Piemont, Val
d’Aosta, Tessin, Rhone Alpes und Zentralschweiz bilden.

Neben der Richtungsvorgabe “weg von der Straße - hin auf die
Schiene“ sieht der Maßnahmenkatalog die Einrichtung einer Plattform
zur dauerhaften Beobachtung des Verkehrs und dessen Auswirkungen auf
Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft vor. Gezielte
Fahrverbote während bestimmter Tageszeiten oder für spezielle
Fahrzeugtypen sind auf regionaler Ebene umzusetzen und miteinander
abzustimmen. Die Regionen wollen auch ein Mehr an Transparenz und
Kostenwahrheit. Als Möglichkeit wird die Einrichtung einer
Alpen-Transitbörse gesehen, wo Fahrgenehmigungen für den Güterverkehr
auf den Transitstrecken nach Marktgesetzen gehandelt werden.

Weiteres Thema der Konferenz wird der Einfluss von Gebirgsklima und
Geländeform auf die Lärm- und Schadstoffausbreitung sein. Diskutiert
werden aktuelle Methoden zur Erfassung der Umweltbelastungen und
Milderung des Gesundheitsrisikos. Im Rahmen des ALPNAP-Projektes wurden
Messmethoden und Modellrechnungen nach dem Stand der Wissenschaft
angewandt und ihre Brauchbarkeit für alpenspezifische Anwendungen
beurteilt. Dabei geht es auch um die Simulation von Luftschadstoffen und
Lärm samt ihrer Auswirkungen, verursacht vom Straßen-, aber auch
Schienenverkehr. Bei der Abschlusskonferenz wird ein umfangreiches
Handbuch für Behörden und Praktiker vorgestellt, zur Information der
breiten Öffentlichkeit wurden illustrative Broschüren erarbeitet. Aus
Österreich waren Arbeitsgruppen der BOKU, der TU Graz, der
Medizinischen Universität Innsbruck und der Universität Innsbruck an
ALPNAP beteiligt.

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Aus organisatorischen
Gründen wird um Anmeldung bis zum 10.01.08 unter www.monitraf.org -
monitraf@eurac.edu gebeten.

Stichwort MONITRAF / ALPNAP:
Die beiden INTERREG III B Projekte MONITRAF und ALPNAP beschäftigen
sich seit dem Jahr 2005 mit dem alpenquerenden Güterverkehr und der
daraus hervorgehenden Belastungen für die Alpentäler. ALPNAP bildet ein
alpenweites Netzwerk von Experten für Meteorologie, Luftqualität, Lärm
und Gesundheit. Die Forschungsergebnisse fließen direkt in das
umsetzungsorientierte Projekt MONITRAF ein, in dem sieben regionale
Verwaltungen des Alpenraumes Handlungsansätze für eine nachhaltigere
Gestaltung des Verkehrs entlang der Transitkorridore erarbeiten.

Kontakt / Rückfragen:
Doz.in Dr. Petra Seibert
BOKU-Department für Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie
Tel.: + 43 1 47654 5613
petra.seibert(at)boku.ac.at