22.06.2007


Neues Kompetenzzentrum für Bio- und Lebensmitteltechnologie stärkt Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich (22.06.2007)

Die BOKU Wien trägt maßgeblich zum Ausbau des Wissenschaftsstandorts Österreich bei. Sie gilt international als eine der führenden Universitäten im Bereich der Angewandten Lebenswissenschaften und der dazu gehörigen Verfahrenstechnologien. Heute findet der Spatenstich mit Bundesminister Johannes Hahn, Bürgermeister Michael Häupl und Rektor Hubert Dürrstein für den Erweiterungsbau für das VIBT – Vienna Institute of BioTechnology am bereits jetzt hochattraktiven Standort Wien Muthgasse statt. Das VIBT führt fachverwandte Disziplinen und international anerkannte Kompetenzen der BOKU aus Angewandter Mikrobiologie, Nanobiotechnologie, Lebensmittelwissenschaften, Angewandter Genetik, Chemie und Wasserwirtschaft zusammen und bietet exzellente Bedingungen für die intensive Vernetzung von Forschungsvorhaben. Die Errichtung erfolgt durch die Glamas Beteiligungsverwaltungs GmbH & Co „Alpha“ KEG, einem Konsortium aus B A I Bauträger Austria Immobilien GmbH, Porr Solutions Immobilien- und Infrastrukturprojekte GmbH, WSE Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft m. b. H. und MAP Bürodienstleistung Gesellschaft mbH, einer Tochter der Wiener Städtische Versicherung AG Vienna Insurance Group. Der Lehr- und Forschungsbetrieb soll im Oktober 2009 aufgenommen werden.

Am Standort Muthgasse hat sich in den vergangenen 14 Jahren durch einschlägige Institute – Angewandte Mikrobiologie, Angewandte Genetik, Lebensmittelwissenschaften und Chemie – ein international anerkanntes Zentrum für Biotechnologie und Bioverfahrenstechnik in Forschung, Entwicklung und Ausbildung etabliert. Der Ausbau des Standortes ist nun der konsequente nächste Schritt. Rektor Hubert Dürrstein dazu: „Der BOKU ist es gelungen, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln, in dem die Muthgasse mit ihrem Leitvorhaben VIBT – Vienna Institute of BioTechnology eine zentrale Rolle spielt.“ Mit dem BOKU VIBT werden alle facheinschlägigen Einrichtungen der Bio- und Lebensmitteltechnologie und –verfahrenstechniken der BOKU zusammengeführt. „Unsere Wissenschafter arbeiten transdisziplinär, mit den modernsten Methoden und auf höchstem Niveau an Problemlösungen zu gesellschaftsrelevanten Fragen, die beispielsweise die Gesundheit, die Ernährung, den Umweltschutz und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und damit jeden einzelnen von uns betreffen“, so Rektor Dürrstein weiter. Darüber hinaus gibt es intensive Bemühungen, dass der Technologietransfer erstmals über gezielte Spin-off-Aktivitäten professionell gefördert wird.

"Der heutige Spatenstich ist ein Meilenstein für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Wien. Dies zeigt, dass österreichische Universitäten über die mit dem Bund vereinbarten Schwerpunktsetzungen, wettbewerbsfähige Profile mit überregionaler Ausstrahlung entwickeln können“, so Bundesminister Johannes Hahn anlässlich des Spatenstichs.

Die BOKU Wien erfüllt mit dem VIBT die Empfehlung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung zur Konzentration und Profilbildung und setzt zudem einen Teil der Exzellenzstrategie des Rates um. Das VIBT deckt drei der sechs Kompetenzfelder ab, in denen die BOKU Wien die Themenführerschaft anstrebt. Die Kennzahlen für die Muthgasse sprechen schon jetzt für sich: Die Drittmittelquote gemessen am öffentlichen Budget liegt bei allen beteiligten Departments bei nahezu 30 % – das ist mehr als das Doppelte des österreichischen Durchschnitts. Der „wissenschaftliche Output“ dokumentiert sich in 6 bis 7 Publikationen pro Wissenschafter und Jahr.

 

 

 

Life Sciences Standort Wien

"Wissenschaft, Forschung und Technologie sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Wien – hier sind und entstehen Arbeitsplätze mit Zukunft, hier sorgen Forscherinnen und Forscher für einen kreativen Entwicklungsprozess, der die ganze Stadt belebt", betont Bürgermeister Dr. Michael Häupl. "Wie erfolgreich die Wiener Technologieoffensive ist, das zeigt sich auch daran, dass Wien bereits zu München – der Nummer eins in der Biotech-Szene in Mitteleuropa – aufschließt. Das VIBT ist ein weiterer Riesenschritt in dieser Entwicklung." Seit 1997 hat die Stadt Wien im Rahmen ihrer Technologieoffensive 500 Millionen Euro investiert. 2006 wurde die Technologieoffensive ausgebaut, die Wissenschaftsausgaben der Stadt inklusive Eigenforschung und Forschungsaufträgen betrugen im Vorjahr 100 Millionen Euro. Mit dem neuen Gerätepool, für den Bürgermeister Häupl und Boku-Rektor Dürrstein heute die Rahmenvereinbarung unterschreiben, stehen der Biotechnologie-Forschung weitere 13 Millionen Euro zur Verfügung, die zur Anschaffung spezieller Geräte und Labor-Infrastruktur genützt werden.

Hermann Katinger, renommierter Leiter des Instituts für Angewandte Mikrobiologie und einer der meistzitierten Virologen im deutschen Sprachraum, u. a. im Bereich der Aids-Forschung, ist überzeugt, dass das BOKU VIBT dazu beiträgt, den Spitzenplatz der BOKU Wien im internationalen Wettbewerb der Universitäten zu halten und auszubauen. „Unsere Ziele sind unter anderem die Entwicklung neuer Verfahren zur biotechnologischen Erzeugung von Antikörpern und Impfstoffen für innovative Strategien in der Antitumor- und Allergenforschung, die Sicherung der Nachhaltigkeit in der Nahrungskette, die Optimierung der Funktionalität von Nahrungsmitteln, die Erhöhung der Lebensmittelsicherheit oder die Lösung umweltrelevanter Probleme auf biotechnologischer Basis.“ Darüber hinaus werden am BOKU VIBT Studierende ausgebildet, die für die Herausforderungen des Arbeitsmarktes sehr gut gerüstet sind.

 

Einzigartige Kombination von Grundlagenforschung und Technologie

Die Besonderheit des BOKU VIBT liegt in der engen Vernetzung der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung mit ingenieurwissenschaftlichen Kompetenzen in den drei großen Bereichen Biotechnologie und Nanobiotechnologie, Lebensmittel – Gesundheit – Ernährung sowie Wasser – Atmosphäre – Umwelt. Am BOKU VIBT erfolgt eine Vernetzung dieser Bereiche und Disziplinen unter Anwendung sogenannter „High-throughout“-Technologien (Genomics, Proteomics, Metabolomics) und der Bioinformatik.

Durch den neuen Gebäudekomplex an der Muthgasse wird vor allem auch die Integration des Zentrums für NanoBiotechnologie möglich, das den Standort Muthgasse erheblich stärken wird. „Die NanoBiotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhun-derts und gilt als treibende Kraft einer globalen technologischen Revolution, die durch die Verbindung verschiedener Wissenschaften völlig neue Lösungsansätze bietet. Wir finden als NanoBiotechnologen am BOKU VIBT die besten Bedingungen für den kombinierten Einsatz und das Zusammenwachsen im Sinne von ‚Converging Technologies’ vor“, so Uwe Sleytr, Leiter des Zentrums für NanoBiotechnologie an der BOKU Wien.

 

 

 

 

Daten zu Umsetzung und Finanzierung

Das Projekt BOKU BioTech Zentrum Muthgasse wurde 2005 mittels europaweiter Auslobung, Wettbewerb und Verhandlungsverfahren eingeleitet. Die Glamas Beteiligungsverwaltungs GmbH & Co Alpha KEG wurde von einer Jury zum Sieger erklärt.

Thomas Jakoubek, Geschäftsführer der BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH: „Mit der Erweiterung des BOKU-Standortes Muthgasse entsteht ein Projekt, bei dem vier Partner, BAI, PORR, WSE und Wiener Städtische, ihre wesentlichen Know-hows bündeln und in perfekter Kooperation mit dem künftigen Mieter ein Gebäude mit größtmöglicher Nutzungsflexibilität schaffen. Die PORR nutzt ihre Erfahrungen aus der Errichtung der beiden ersten BOKU Gebäude in der Muthgasse und wickelte auch den Liegenschaftserwerb ab. So kann nun mit dem heutigen Spatenstich eine erfolgreiche Projektentwicklung mit dem Ziel, langfristig an die künftigen Nutzer zu vermieten, in die Umsetzung geführt werden.“

Nikolaus Pervulesko, Vorstand der Porr Projekt und Hochbau AG: „Wir werden hier ca. 30.000 m² Bruttogeschoßfläche errichten. Die Nutzfläche beträgt ca. 24.000 m², wobei ca. 14.000 m² von der BOKU genutzt und ca. 10.000 m² an Spin-Off Unternehmen vermietet werden. In der Planung ergibt dies einen L-förmigen, einfach strukturierten Baukörper. Zwischen den universitären und nichtuniversitären Nutzungsbereichen gibt es eine funktionale Trennung, jedoch eine tätigkeitsbezogene Verknüpfung. Zu den Bestandsgebäuden der Universität der Bodenkultur wird eine Verbindungsbrücke errichtet, die die Muthgasse überspannt“.

WSE-Geschäftsführer Josef Herwei betrachtet das Projekt als entscheidenden Impuls für weitere Immobilienentwicklungen in diesem Bereich: „Das BOKU BioTech Zentrum stellt die erste Baustufe des Technologie Clusters Muthgasse dar, denn für zukünftige Erweiterungen stehen weitere Grundstücke für den Ausbau zur Verfügung, von denen etwa 25.000 m² Nutzfläche selbstständig von der IMU Immobilienentwicklung Muthgasse GmbH & Co KEG, einer Tochtergesellschaft der WSE, entwickelt werden.“

Das Konzept der GLAMAS sieht die Errichtung eines Gebäudes vis-à-vis der bestehenden BOKU-Gebäude an der Muthgasse vor, die beiden Gebäudekomplexe werden mittels einer Brücke verbunden. Die effektive Nutzfläche des BOKU-Bauteils beträgt rund 14.000 m². In den BOKU-Bereich ziehen Institute und Departments der BOKU ein, dieser Bereich wird aus dem Universitätsbudget finanziert. Die Errichtung des Gebäudes wird von GLAMAS vorfinanziert, die Anmietung erfolgt durch die BOKU. Die Kosten für die Errichtung des BOKU- Bauteils betragen rund 40 Millionen Euro (netto, ohne Ersteinrichtung).

Der VIBT – Spin-off-Bereich mit einer effektiven Nutzfläche von knapp 10.000 m² soll gemeinsam mit der Stadt Wien in Form einer GmbH betrieben werden. Die Gesellschaft wird primär der Akquisition und Betreuung von Spin-off-Unternehmen im Rahmen der Kompetenzfelder des VIBT und damit der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft dienen.

 

Rückfragen

BOKU Wien, Pressebüro

Dr. Ingeborg Sperl

Tel. +43 1 47654-2351

Mail to: sperl(at)boku.ac.at

www.boku.ac.at

 

Department für Biotechnologie (DBT) / Institut für Angewandte Mikrobiologie (IAM)

Univ. Prof. DI Dr. Hermann Katinger

Der Fokus in Forschung und Ausbildung am DBT/IAM liegt auf den wissenschaftlichen Grundlagen und der Innovation der Bio-Industriellen Technologie. Gestützt auf ein solides, experimentelles, biologisches und ingenieurwissenschaftliches Methodengefüge werden biologische Potentiale in Bio-Technologieplattformen übertragen um Wertschöpfung aus materiellen Gütern und wertvolle Dienstleistungen industriell zu realisieren – von wissenschaftlichem KNOW WHY („gewusst warum“) zu technologischem KNOW HOW („gewusst wie“).

Mikroorganismen, Säugetierzellen, Pflanzenzellen und Viren oder Komplexe biologischer Systeme daraus sind die Grundlage unserer Technologie. Reines Wasser aus wässrigen Brühen, Energie aus Abfällen, schädlingsresistente Kulturpflanzen (Reduktion von chemischen Pflanzenschutz), allergenfreie pflanzliche Nahrung, Schnelldiagnose von Krankheitserregern etc. zählen wir zur Wertschöpfung aus den unauffälligen Dienstleistungen. Biopharmazeutika wie Antikörper, Impfstoffe oder Hormone, verbesserte neue Formen der Verabreichung von Medikamenten zur Verbesserung der therapeutischen Wirkung und Reduktion von unerwünschten Nebenwirkungen sind unser strategischer Beitrag zum Fortschritt der Biomedizin.

Mit Konzepten zur Verbesserung der ökonomischen Produktion von „Bio-Commodities“ wie z. B. Milchsäure als Grundstoff für neue und biologisch abbaubare Werkstoffe, versuchen wir die Plastik-Industrie aus der Petrochemie zu biologisieren und damit umweltverträglicher und unabhängiger zu werden.

Die wissenschaftlich/methodischen Profile unserer Partner am VIBT/Muthgasse und die offene Kultur und Praxis der Zusammenarbeit sind enorm wichtig und stärken uns insgesamt als Bio-Tech Standort.

 

Department für Lebensmittelwissenschaften und -technologie

Univ. Prof. Dipl.-Chem. Dr. Klaus Dieter Kulbe

Das „Department für Lebensmittelwissenschaften und -technologie“ ist bestrebt, durch Forschung und Lehre im nationalen und internationalen Kontext einen signifikanten Beitrag zur Sicherstellung einer optimalen Ernährungsversorgung der Bevölkerung zu liefern. Das DLWT besteht aus sechs Abteilungen, die in ihren Namen und Arbeitsprogrammen die Lebensmittelversorgungskette repräsentieren und je nach Bedarf in unterschiedlicher Konstellation in Projekten eng kooperieren. Diese Departmentstruktur ist im nationalen und internationalen Kontext einzigartig und für Forschung und Lehre richtungweisend. Für die zukünftige Entwicklung des Departments wäre es vorteilhaft, alle Abteilungen an einem Standort zusammen zu führen. Deshalb sollen drei der sechs Abteilungen, nämlich die Abteilung Tierische Lebensmittel, Tierernährung und Ernährungsphysiologie, die Abteilung Lebensmittelbiotechnologie und die Abteilung Lebensmittelchemie in das neue Gebäude in der Muthgasse integriert werden.

Die Abteilung Tierische Lebensmittel, Tierernährung und Ernährungsphysiologie bearbeitet grundlegende Aspekte des Stoffwechsels von Nährstoffen, die Wirkung der Verarbeitungstechnologie von Futter- und Nahrungsmitteln auf die ernährungspysiologische Qualität, sowie die Effekte besonderer Nahrungskomponenten auf den Organismus von Nutztieren sowie am Tiermodell für den Menschen.

In der Abteilung Lebensmittelbiotechnologie steht die Entwicklung biotechnologischer Verfahren zur Herstellung von Lebensmittelinhaltsstoffen im Mittelpunkt. In diesen Prozessen sollen, ausgehend von erneuerbaren Rohstoffen höherwertige Produkte gewonnen werden, die Anwendung im Bereich der Lebensmittel wie auch der Futtermittel finden. Der Schlüssel dazu ist der Einsatz von Enzymen, die für die jeweiligen Prozesse ausgewählt, charakterisiert und modifiziert werden.

Das bei der Presskonferenz vorgestellte Forschungsprojekt des DLWT stammt aus dieser Abteilung und lautet „Perspektiven neuer mikrobieller Enzyme und enzymtechnologischer Prozesse für die Lebensmittelindustrie“.

Zweifellos zählt die Lebensmittelchemie zu den integralen Bestandteilen der Lebensmittelwissenschaften. Durch Schaffung einer eigenen Abteilung wurde der Bedeutung dieses Bereiches Rechnung getragen. Die Abteilung beschäftigt sich insbesondere mit der Entwicklung von Analysemethoden, um praxisrelevante Problemstellungen im Bereich der Lebensmittelauthentizität, Ernährungsphysiologie oder Lebensmitteltechnologie zu lösen.

 

Department für Chemie

Univ. Prof. DI Dr. Paul Kosma

Die Forschungsaktivitäten des Departments für Chemie sind vor allem auf die vielfältigen Eigenschaften und Anwendungen von Kohlenhydraten ausgerichtet, wobei sich die Schwerpunkte auf Polysaccharide wie Cellulose und auf medizinisch und biologisch relevante komplexe Zucker erstrecken. Die Bereiche der „Glykochemie“ und „Glykobiologie“ sind unmittelbar von biotechnologischer Relevanz im Zusammenhang mit der Herstellung und Charakterisierung von Antikörpern und der analytischen und biochemischen Untersuchung von Glykokonjugaten und Zellwandzuckern. Dabei handelt es sich um Verbindungen, welche einerseits aus Eiweiß - beziehungsweise Fettmolekülen, andererseits aus Kohlenhydraten (Zuckern) bestehen. Es wird geschätzt, dass rund zwei Drittel des menschlichen Körper-Eiweißes solche Zucker-Seitenketten aufweisen. Zu den biologischen Rollen dieser Zucker gehören fundamental wichtige Vorgänge wie sie bei der Befruchtung und der Entwicklung des Organismus ablaufen. Ebenso bedeutend ist die Steuerung von Immunreaktionen bei Allergien, die durch Pflanzen oder Insekten ausgelöst werden, und bei infektiösen Erkrankungen durch Viren, Bakterien und Parasiten. Darüber hinaus werden auch spezielle Eiweißverbindungen, die bei Entzündungsreaktionen aktiv sind, intensiv untersucht.

Diese vielfältigen Funktionen machen die Forschungsarbeiten in Hinblick auf die Entwicklung diagnostischer und therapeutischer Interventionen innerhalb des Gesamtgebietes der Biotechnologie sehr wichtig. Was das erforderliche komplexe Methodengefüge betrifft, so besitzt das Department Kompetenz für molekularbiologische, biochemische, synthetische und hochleistungsanalytische Arbeiten, wobei verstärkt auch die strukturbiologischen Aspekte bearbeitet werden.

Der anerkannten internationalen Stellung des Departments auf diesen Gebieten wird durch die Ausrichtung großer internationaler Konferenzen 2006, 2009 und 2011 Rechnung getragen.

In den letzten Jahren wurden dem Department vom BMBWK über Empfehlung des Rats für Forschung und Technologie-Entwicklung Infrastrukturmittel zur Anschaffung modernster Analyseinstrumente zugeteilt, die gemeinsam mit den benachbarten Departments genutzt werden und zu intensiver Vernetzung der Forschungsvorhaben führen. Diese werden insbesondere im neuen Gebäude exzellente Bedingungen vorfinden.

 

Zentrum für NanoBiotechnologie

Univ. Prof. DI Dr. Uwe Sleytr

Innovative Technologien spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft, die zu den großen Zielen der Europäischen Gemeinschaft gehört. Es ist heute allgemein anerkannt, dass “Wissen” im globalen Wettbewerb immer mehr an Bedeutung gewinnt und zum ausschlaggebenden Standortfaktor für Regionen, Staaten (und Kontinente) wird. Neue und vor allem hochwertige Arbeitsplätze entstehen primär dort, wo es langfristig angelegte Vernetzungen der Kapazitäten und Industrie gibt. Dabei hängt die Konkurrenzfähigkeit von Produkten immer weniger von diesen selbst ab sondern vielmehr von deren Innovationspotential. Die Nanobiotechnologie als transdisziplinäres Forschungs- und Technologiefeld deckt zahlreiche Bereiche noch nicht verteilter Zukunftsmärkte ab. Sie ist somit eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts und wird vielfach auch als treibende Kraft einer globalen technologischen Revolution gesehen. Sie verbindet in einer faszinierenden Weise die Grundlagen der Physik und Materialwissenschaften, mit denen der Biologie und Chemie, und kann so völlig neue Lösungsansätze zur Entwicklung und Herstellung biologischer funktioneller Architekturen in den “Life-“ und “Non-Life Sciences” anbieten. Dadurch kommt es zu einem Paradigmenwechsel, in dem die klassischen singulären Wissenschaften durch den kombinierten Einsatz und das Zusammenwachsen von Nano-, Bio-, Informations- und Kognitionswissenschaften ersetzt werden. Dieser Wandel wird auch mit dem Begriff “Converging Technologies” beschrieben.

Das ZNB ist die erste Einrichtung seiner Art an einer Österreichischen Universität. Im Rahmen der Muthgasse III wird es zu wesentlichen räumlichen und personellen Erweiterungen kommen, so dass sich auch neue Bereiche des bereits sehr breiten Methodengefüges etablieren lassen. Die bearbeiteten Projekte reflektieren ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Grundlagenforschung und zielorientierten Entwicklunsarbeiten, bis zur Optimierung von Verfahren und Technologien. Die meisten Projekte werden in nationaler und internationaler Zusammenarbeit mit anderen Forschungsgruppen durchgeführt.

Schwerpunktsgebiete sind: Entwicklung molekularer Baukastensysteme für Anwendungen in der Diagnostik, Trenntechnik, Impfstoffe und immunmodulierende Komponente für die Allergiebehandlung, biomimetische Virushüllen für spezifische chemotherapeutische Behandlungen, stabilisierte Lipidmembranen für neue Wege in der Sensor-Technologie und Hochdurchsatz-Screening-Systeme, Biomineralisation, Nanoglykobiologie, sowie die Verwendung von monomolekularen Proteingittern für den Aufbau molekularer elektronischer und optischer Bauteile.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am ZNB haben bereits zu Patenten und der Gründung einer Spin-off Firma (NANO-S) geführt. In der Lehre wird neben der Vermittlung des für die “Nanobiotechnologie” erforderlichen transdisziplinären Wissens vor allem die Fähigkeit zur Kooperation und Problemlösung im Team gefördert. Das ZNB plant zudem ein interuniversitäres PhD-Programm “NanoBiotechnologie” ab dem WS 2007/2008, das letztlich nach dem Prinzip von “Converging Universities” ablaufen wird.