03.04.2007


(Oster-)Hase oder Kaninchen? (03.04.2007)

Rasanter Zickzack-Kurs durch die Osterglocken, ein letz­ter Haken und zwei weiße Hinterläufe verschwinden im Gebüsch. Zurück bleiben ein atemlos hechelnder Hund und ein ratloser Mensch. „War das jetzt ein Kanin­chen oder ein Hase?“ Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien und Feldhasen-Experte der Deut­schen Wildtier Stiftung, erläutert, wie man die Arten einfach unter­scheiden kann: „Feldhasen sind groß und schlank, haben lange, kräftige Hinter­läufe. Sie wiegen vier bis sechs Kilogramm. Klein und gedrungen ist dagegen der Körper der Wild­kanin­chen. Sie bringen rund zwei Kilo auf die Waage und besitzen relativ kurze Ohren. Die Ohren vom Feldhasen, die Löffel, sind hingegen stets länger als der ganze Schädel. Besonders augenfällig sind die schwarzen Ohr­spitzen. Auch die Ober­seite ihrer Blume, also ihres Schwanzes, ist schwarz.“ In Deutsch­land ist der Feld­hase (Lepus europaeus) fast flächendeckend verbreitet. Aber noch immer steht der standorttreue Einzelgänger auf der nationalen Roten Liste der gefährdeten Säugetiere. Wild­kaninchen (Oryctolagus cuniculus) hingegen haben hierzulande keinen Gefährdungsstatus.

„Auch wenn (Oster-)hasen und Wildkaninchen beide Hasentiere sind, gleichen sie sich keinesfalls wie ein Ei dem anderen. Wer beim Eiersuchen ein scheinbar zurückgelassenes Hasenjunges entdeckt, sollte es auf keinen Fall anfassen, oder gar mitnehmen. Die Häsin vermeidet häufige Besuche beim Nachwuchs, um nicht die die Aufmerksamkeit von Fuchs oder Mäusebussard auf ihren Nachwuchs zu lenken,“ so Hackländer. Sein Tipp für den diesjährigen Osterspaziergang: „Die höchste Dichte findet man im Osten Österreichs, z.B. im Weinviertel.“

Die allmählich steigenden Bestands­zahlen sind ein Erfolg der Natur- und Artenschützer“ „Ihnen ist es zu verdanken, dass land­wirt­schaft­liche Brach­flächen ver­mehrt in wert­volle Lebensräume für Wild­tiere und Pflan­zen um­gestaltet werden. Und auch ein Teil der Jäger hat umgedacht und jagt dem Bestand angemessen. Dazu kommt, dass die regen­armen und trockenen Som­mer bzw. die trockenen und kalten Winter der letzten Jahre den Feldhasen ent­gegen­gekommen sind“, weiß Hackländer zu berichten. Zu ihrem natürlichen Lebensraum gehören ebenso Wälder wie die Alpen bis über 2.000 m Höhe. Feldhasen sind ehemalige Steppen­bewohner und brauchen Weitblick. Droht Gefahr, ducken sie sich in Erdmulden, so genannte Sassen. Hier kommt mehrmals jährlich auch der Nachwuchs auf die Welt: behaart und sehend. Sie sind  „Laufjunge“. Das ist entscheidend, denn Feldhasen sind Flucht­tiere.

Anders als die Hasen leben Wildkaninchen in Kolonien. Mit sieben Würfen pro Jahr vermehren sie sich mancherorts so stark, dass sie zur Plage werden können. Der Begriff Kanin­chen stammt vom lateinischen Wort „cuniculus“ ab, was auch „unterirdischer Gang“ oder „Höhle“ bedeutet und auf ihre Lebensweise in Erdbauten hinweist. Dorthin flüchten sie sich auch in Gefahren­situationen. Kaninchen leben in weit verzweigten Bauwerken, in denen die Häsinnen – so heißen auch die weiblichen Kaninchen - ihre Jungen großziehen. Ganz anders als beim Feldhasen, werden die jedoch nackt und blind geboren. Sie sind „Lagerjunge“.

Kontakt / Rückfragen:
Prof. Dipl.-Biol. Dr. Klaus Hackländer
BOKU-Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft
(Wien) 47654 4451
klaus.hackländer(at)boku.ac.at