Erster Weltkrieg, Erste Republik und Ständestaat


1. Weltkrieg

Im September 1914 wurde in den Räumlichkeiten der Hochschule und des Studentenheimes ein Spitalsbetrieb eingeführt. Die Aufnahme des Lehrbetriebs musste auf Jänner 1915 verschoben werden, die Verzögerung nahm man in Kauf, man hoffte ja auf ein schnelles Kriegsende.

1916 hatte sich die Spitalssituation in Wien soweit gebessert, dass der Spitalsbetrieb wieder eingestellt werden konnte und auch diese Räumlichkeiten wieder dem Lehrbetrieb zur Verfügung standen.

1917 wurde erstmals eine Standesbezeichnung für Absolventen technischer Hochschulen und somit auch der Hochschule für Bodenkultur festgelegt. Mit der kaiserlichen Verordnung von 14. März 1917 erhielten diese die Berechtigung zur Führung der Standesbezeichnung „Ingenieur“.

1784 Studierenden waren nach Kriegsende im Herbst 1918 inskribiert. Damit wurde die bisherige Höchstmarke aus dem Jahr 1911/12 um mehr als die Hälfte übertroffen.

Der Untergang Altösterreichs und der Übergang zur Republik hatte jedenfalls wenig Einfluss auf die Studienpläne und die Zusammensetzung und Ausrichtung der Professorenschaft.

1. Republik und Ständestaat

Ein Erlass vom 7. April 1919 ermöglichte erstmals auch Frauen die Zulassung zum ordentlichen Hochschulstudium an der Hochschule für Bodenkultur, und zwar ab dem Studienjahr 1919/20.

Der Zeitraum nach dem Ersten Weltkrieg brachte jedoch gravierende Veränderungen der Rahmenbedingungen:

Verkleinerung des Staatsgebietes, Verringerung der Hörerzahlen, ausgelöst durch die angespannte wirtschaftliche Lage und eine Politisierung der Hochschule (sowohl bei den Professoren wie auch bei den Studierenden) in noch nicht bekanntem Ausmaß.

Unübersehbar waren aber die Auswirkungen auf die Grundidee der BOKU.

Der Rektor wandte sich 1924 an das Unterrichtsministerium, um eine Änderung des Statuts anzuregen. Im verkleinerten Österreich müsse verstärkt der steigenden Bedeutung des mittleren Grundbesitzes Rechnung getragen werden und der Ausbildung der Lehrer. Auch schlug er eine verbesserte wissenschaftliche Ausbildung vor. Politisch überwogen die Übereinstimmungen zwischen Unterrichtenden und Studierenden. Deutschnationalismus und Antisemitismus beherrschten das Denken von Professoren und Studenten.

Die zwanziger Jahre brachten einen ständigen Rückgang der Hörerzahlen mit sich. Gerüchte um eine Aufhebung oder Fusionierung mit der Veterinärmedizinischen Hochschule waren erstmals 1926/27 aufgetaucht. Die Dotationen aus öffentlichen Mitteln verringerten sich von Jahr zu Jahr, ab dem Studienjahr 1932/33 musste sich die Hochschule allein aus Studiengebühren finanzieren, der Forschungsbetrieb kam zum Erliegen.

Dazu kamen noch nationalsozialistische Anschläge. Das hatte zur Folge, dass die Hochschule im April 1934 ihre Autonomie verlor. Ein Bundeskommissär, dem der Rektor unterstellt war, wurde eingesetzt.

Im August 1934 wurde vom Schuschnigg-Regime die politische Zuverlässigkeit der Vortragenden überprüft. Ein knappes Drittel der Professoren, ein Fünftel der Privatdozenten, ein Drittel der Honorardozenten mit nationaler bzw. nationalsozialistischer Gesinnung wurden entlassen.