O.Univ.Prof. i.R. Dipl.Ing.Dr. Peter Glück ist am 3. März 2014 verstorben


Tief betroffen mussten wir von Peter Glück Abschied nehmen. Mit höchstem Engagement und Weitblick hat er als Wissenschaftler und Lehrer die Waldpolitikwissenschaft weit über Österreich hinaus über Jahrzehnte geprägt. Seine Arbeiten sind bis heute richtungsweisend und inspirierend für die ihm folgende Forscherinnen- und Forschergeneration sowie für die Tätigkeit vieler seiner Studierenden.

Peter Glück hat als engagierter und vorausblickender Wissenschaftler und Lehrer die Waldpolitikwissenschaft weit über Österreich hinaus über Jahrzehnte geprägt. Nach Abschluss des Diplomstudiums und Doktorats an der Universität für Bodenkultur Wien (1967), einem Diplomstudium an der University of British Columbia (1972) und der Habilitation (1977), wurde er 1977 mit nur 35 Jahren zum Ordentlichen Universitätsprofessor für Forst- und Holzwirtschaftspolitik an der BOKU berufen. Dort forschte und lehrte er bis 2005.


Peter Glück war nicht nur stets ein engagierter Lehrender, sondern besaß vor allem die Gabe, Studierende für gesellschaftliche Fragestellungen rund um Wald und Waldwirtschaft zu begeistern und sie zur unvoreingenommenen, wissenschaftlichen Analyse zu führen. Rund 150 Diplom- und 20 erfolgreich betreute Doktorarbeiten sowie Einladungen zu Gastprofessuren an Universitäten in den USA, Finnland, Japan und China zeugen davon.


Schon in den 1970er Jahren hat Glück mit der Holzindustrie und Kollegen der Universität Graz Algorithmen zur computergestützten Einschnittsoptimierung in der Sägeindustrie entwickelt und damit einen frühen Beitrag zur Modernisierung der Branche geleistet. Die Etablierung des Kompetenzzentrums für Holzverbundwerkstoffe und Holzchemie (Wood Kplus) geht auf eine gemeinsame Idee und Initiative von Peter Glück und Gerhard Ketscher (Vorstandsdirektor, Agrolinz Melamin) zurück.


Bereits in den späten 1980er Jahren erkannte Glück mit gewohnter Weitsicht die steigende Bedeutung internationaler und der europäischer Politik für den Forstsektor. Früh griff er deren Themen in Forschung und Lehre auf und wurde u.a. als wissenschaftlicher Berater der Liaison Unit der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa tätig. Als einer der ersten, schon vor dessen Gründung, hat Peter Glück die Idee eines Europäischen Forstinstituts (EFI), heute eine internationale Organisation mit Sitz in Finnland, tatkräftig unterstützt und war in weiterer Folge in verschiedenen  Funktionen für das EFI tätig. Auch die Etablierung des EFI-Projektzentrums zu Innovation und Unternehmertum in der Forstwirtschaft, dem Vorläufer des heutigen EFICEEC-EFISEE, dem „EFI Central-East and South-East European Regional Office“ an der BOKU, geht auf eine seiner Initiativen zurück. Darüber hinaus war Peter Glück auch für die Forschungskooperation und wissenschaftliche Beratung auf globaler Ebene prägend, etwa als Mitglied des unabhängigen globalen Expertenrates für Internationale Forerst Governance und in zahlreichen weiteren Initiativen des internationalen Verbandes forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO).


Viele seiner Arbeiten waren und sind bis heute wegweisend, beispielsweise Arbeiten zur Rolle forst- und holzwirtschaftlicher Verbände, zur Schutzwaldpolitik, zu Fragen von Walderholung und Wald-Naturschutz, zu forstpolitischen Problemen in den Transformationsländern Ost- und Südosteuropas, sowie seine Arbeiten zu europäischer und internationaler Waldpolitik.


Besonders hervorzuheben ist Glücks Bedeutung als Wegbereiter eines Paradigmenwandels in der Forstpolitikwissenschaft, hin zu theoretisch fundierten sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Analysen. Damit hat er nicht nur neue Wege beschritten und neue Perspektiven eröffnet, sondern ist bis heute beispielgebend für viele Kolleginnen und Kollegen der ihm folgenden Forscherinnen- und Forschergeneration sowie für ehemaligen Studierende in deren Tätigkeit im Forstsektor. Seine unvoreingenommene und weltoffene Haltung, seine unabhängige, rationale Herangehensweise und seine Liebe zum Leben haben auch in uns tiefe Spuren hinterlassen und wirken in uns fort.

Karl Hogl 1), Alexander Buck 2) und Peter Mayer 3)

1) Institutsleiter, Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik, BOKU
2) Executive Director, International Union of Forest Research Organizations
3) Direktor, Bundesforschungszentrum für Wald


24.03.2014