In Gedenken an Dr. Katharina Pirker


In tiefer Trauer überbringen wir die Nachricht, dass unsere Kollegin Dr. Katharina Pirker im 38. Lebensjahr am 28. September 2015 nach schwerer Krankheit verstorben ist. Ein hoffnungsvolles Leben voll Engagement und Begeisterung für ihr wissenschaftliches Fach ist damit viel zu früh zu Ende gegangen.

Trotz ihrer jungen Jahre war Kathi bereits eine international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie (engl. EPR, electron paramagnetic resonance).

Sie studierte Technische Chemie an der TU Wien mit Spezialisierung in Analytischer und Physikalischer Chemie (1997-2002) und erlernte im Rahmen ihrer Diplomarbeit in Schottland bei Bernard Goodman die Grundlagen der cw-EPR in Kombination mit „spin trapping“.

In ihrer Doktorarbeit am Austrian Institute of Technology (AIT) (2003-2005) beschäftigte sie sich mit mechanistischen Untersuchungen zur Oxidation von natürlich vorkommenden Phenolen (Betreuung durch Bernard Goodman und Klaus Stolze).

Unmittelbar nach Antritt einer Postdoc-Stelle am AIT leitete sie bereits ihr erstes eigenes FWF-Projekt (ESR-Untersuchung der Radikalchemie von Phenolen, 2006-2009), ging dann mit einem Schrödingerstipendium (Biophysikalische Untersuchungen der Pilus Biogenese in UPEC, 2009-2011) ans University College London und erweiterte ihr Wissen in site-directed spin labelling und Puls-EPR (DEER, ENDOR) zur Distanzbestimmung zwischen Spin Labels und Strukturaufklärung in Proteinen in der Gruppe von Christopher Kay (Institute of Structural and Molecular Biology).

Im Jänner 2013 kam Kathi an die Universität für Bodenkultur ans Department für Chemie in meine Arbeitsgruppe und installierte bald darauf die erste EPR-Maschine an dieser Universität. Und so war es fast logisch und konsequent, dass der FWF ihre wissenschaftlichen Leistungen mit einem Hertha Firnberg Stipendium (Puls EPR der Dynamik katalytischer Aminosäuren in Hämenzymen) honorierte (Antritt im Juni 2014) und dass ihr Antrag zur Anschaffung des ersten Q-band Puls-EPR Spektrometers in Österreich von der EQ-VIBT GmbH genehmigt wurde. Kathi war sowohl innerhalb Österreichs als auch in der EU mit anderen EPR Gruppen bestens vernetzt und ist Autorin von 30 SCI Publikationen.

Ende August letzten Jahres auf einer Konferenz in Zürich hat Kathi mit Stolz und Freude verkündet, dass sie ihr erstes Kind erwartet und selbstverständlich schon Pläne gewälzt, wie sie Familie und Beruf zu vereinbaren gedenkt. Wenige Monate später wurde sie dann mit der Diagnose ihrer Krebserkrankung konfrontiert. Dies hatte zur Folge, dass sie ihre Tochter frühzeitig zur Welt bringen musste um eine medikamentöse Behandlung möglich zu machen. Trotz all ihrer Stärke und ihres Optimismus, mit denen sie der Krankheit entgegen trat, hat Kathi zu Beginn dieser Woche, am 28. September 2015, den Kampf gegen den Krebs verloren.

Wir trauern um eine liebenswerte Kollegin und Freundin und eine ausgezeichnete Wissenschafterin. Unser ganzes Mitgefühl gilt ihrer neun Monate alten Tochter Mylène und ihrem Mann Florian.

Christian Obinger und die Arbeitsgruppe Proteinbiochemie
Department für Chemie der BOKU


02.10.2015