von Dr.
Oliver Meixner
Institut
für Agrarökonomik
Universität
für Bodenkultur Wien
Wien, 24.11.2001
| Variety Seeking = die Suche des Konsumenten nach Abwechslung; der Kunde wechselt zwischen Marken und Produkten deshalb, weil er aus der Abwechslung selbst einen Nutzen zieht. |
Studie „Variety Seeking im Lebensmittelbereich“
1. Wie viel Abwechslung verträgt der Kunde?
2. Produktinnovation um jeden Preis?
3. Bei welchen Produktgruppen verträgt der Kunde Abwechslung?
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Ziel der Studie war es festzuhalten, bei welchen Produkten und Produktgruppen der Konsument verstärkt nach Abwechslung sucht. Hierzu wurde ein mehrstufiges Untersuchungsdesign gewählt.
1. Wie viel Abwechslung verträgt der Kunde?
Diese These wird durch die Studie eindeutig gestützt. Bei bestimmten Produkten wie Milch, Butter, Margarine, Eiern sucht der Kunde kaum nach Abwechslung. Hingegen sind Joghurts, die Warengruppen Käse und Wurst, Desserts und Fruchtsäfte typische „Variety Seeking“-Produkte.
Auch diese These kann durch die Erkenntnisse der Studie gestützt werden. Nicht jeder Kunde will dasselbe Maß an Abwechslung (und damit verbunden Stimulation). So kann allgemein bei jeder Produktgruppe nach „Variety Seekern“ und „Non Variety Seekern“ unterschieden werden. Das Verhältnis zwischen diesen verschiebt sich je nach Produktgruppe ganz erheblich.
Aufgrund einer Clusteranalyse konnte weiters festgestellt werden, daß jeder Kunde aufgrund seines Einkaufsverhaltens tendenziell eher der Gruppe der Variety Seeker oder den Non Variety Seekern zuzuordnen ist. Insgesamt ergibt sich damit ein in etwa ausgeglichenes Verhältnis zwischen Kunden, die verstärkt nach Abwechslung suchen und solchen, die eher weniger nach Abwechslung suchen (55% Variety Seeker, 45% Non Variety Seeker). Variety
Seeking und Markentreue Eng verknüpft mit der Suche nach Abwechslung ist unter anderem das Markenwechselverhalten. So zeigen sich Variety Seeker durchwegs weniger markentreu als Non Variety Seeker. Die Loyalität – ein wichtiges Kriterium des Unternehmenserfolges – hängt damit nicht zuletzt auch von intrapersonalen Faktoren ab, aus denen sich eine stärkere oder schwächere Neigung zum Wechselverhalten ableiten läßt.
Dieser Zusammenhang zwischen Markentreue und Variety Seeking ist offensichtlich: Je mehr eine Produktgruppe als Variety Seeking Produktgruppe eingestuft werden kann, desto weniger Markentreue kann festgestellt werden.
Aber auch die subjektive Neigung des einzelnen Kunden, nach Abwechslung zu suchen, spielt eine bedeutende Rolle im Hinblick auf die Markentreue. Hier konnte, wie gesagt, gezeigt werden, daß der typische Variety Seeker sich naturgemäß weniger markentreu verhält als der Non-Variety Seeker.
Durch die Paneluntersuchung wurde dieser Sachverhalt prinzipiell bestätigt. Allerdings scheint der Anteil der Variety Seeker in der Realität nur bei ca. einem Drittel zu liegen (siehe unten). Es überwiegen demnach die eher markentreuen Kunden, die Stammarken mehr oder weniger stark bevorzugen (je nach Produktgruppe). Aufgrund dieser Sachverhalte kann davon ausgegangen werden,
Typische Variety Seeking-Produkte sind Dessertprodukte. Hier verlangt der Kunde verstärkt nach Abwechslung. Typische Non Variety Seeking-Produkte sind Milch und Butter. Hier kann auch ein kleineres Sortiment angeboten werden. Neuprodukte bieten hier wahrscheinlich einen geringen zusätzlichen Nutzen für den Kunden. 2. Produktinnovation um jeden Preis? Den typischen Variety Seeker zu bedienen hieße konsequenterweise, ständig neue Produkte ins Regal zu stellen. Aufgrund beschränkter Regalflächen ist dies naturgemäß gleichbedeutend mit der Auslistung bestehender Produkte. Dabei muss aber bedacht werden, dass
Bei drei der oben erwähnten Produkte bzw. Produktgruppen wurde dieser Sachverhalt exemplarisch im Rahmen eines Konsumentenpanels näher durchleuchtet (von 80 Haushalten wurden über einen Zeitraum von zwei Wochen insgesamt 792 Einkäufe aufgezeichnet):
Dabei zeigte sich
Außerdem konnte eine relativ starke negative Korrelation
Mit anderen Worten: Kunden, die eher zur Stammarke greifen, suchen weniger nach Abwechslung und sind für ihnen unbekannte Produkte weniger empfänglich, als Kunden, die eine geringere Markentreue aufweisen. (Variety Seeking und der Kauf unbekannter Produkte korrelieren positiv.) Da der Anteil der Stammarkenkäufer bei diesen Produkten recht hoch ist, kann daher geschlossen werden, daß hier die Listung neuer Produkte bei gleichzeitigem Ausscheiden bisheriger Sortimentsteile nicht immer vorteilhaft ist. Wie sich dieser Sachverhalt in anderen Produktgruppen darstellt, muß allerdings noch geklärt werden. 3. Bei welchen Produktgruppen verträgt der Kunde Abwechslung?Bereits eingangs wurde durch These 1 bestätigt, daß es bestimmte Produktgruppen gibt, bei denen durch entsprechende Sortimentsplanung dem Bedürfnis des Kunden nach Abwechslung entsprochen werden sollte. Dies sind insbesondere Desserts, Wurst und Wurstwaren, Brot und Backwaren, Fruchtsäfte, Käse, Milchmixgetränke und Fruchtjoghurt. Allerdings zeigt die Paneluntersuchung – bei dieser wurden bekanntlich nur drei Produkte in die Analyse einbezogen – daß dieser Wunsch beim Konsumenten doch schwächer ausgeprägt ist, aus aufgrund der Konsumentenbefragung angenommen werden konnte.
Der Anteil derjenigen, die bei den Einkäufen in diesen drei Produktgruppen nach Abwechslung gesucht haben, liegt bei rund einem Drittel. Diesen Kunden sollte naturgemäß ein entsprechend breiteres Sortiment geboten werden. Allerdings darf dies nicht zulasten des sehr hohen Anteils an Kunden gehen, die sich bei diesen Produkten meist für Stammarken entscheiden. Resümee
Zusammengefaßt kann daher festgehalten werden:
Dem Phänomen des „Variety Seeking“ sollte daher bei der Sortimentsplanung durchaus Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei der konkreten Umsetzung muß allerdings mit Bedacht vorgegangen werden, um negative Konsequenzen beim Kunden (Verwirrung, Verärgerung) soweit als möglich zu vermeiden. Kontaktadresse des Autors: Tel.: +43 1 47654-3563
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