854310 Subsistenz als Grundlage der Freiraumplanung


Art
Seminar
Semesterstunden
3
Vortragende/r (Mitwirkende/r)
Kölzer, Andrea
Organisation
Institut für Landschaftsplanung (ILAP)
Angeboten im Semester
Wintersemester 2017/18
Unterrichts-/ Lehrsprachen
Deutsch

Lehrinhalt

Von Ökonomie und Moral
Der Zusammenhang von Ökonomie und Moral wird oft verdrängt, aber jede Form von Ökonomie wirkt sich auf andere Menschen, auf Pflanzen und Tiere, auf die Welt und auf unsere Beziehung zur Welt aus. Ökonomische Entscheidungen sind immer auch moralische Entscheidungen.

Subsistenzökonomie steht in der Tradition der Moral Economy. Mit diesem Begriff wird eine Wirtschaftsweise benannt, die den Zusammenhang von Ökonomie und Moral nicht verleugnet, sondern bewusst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte einbezieht. In einer Moral Economy dient Ökonomie dem guten Leben und der dauerhaften Sicherung der Lebensgrundlagen aller Menschen. Es gilt das Recht auf Subsistenz.

Für uns als PlanerInnen stellt sich die Frage, inwieweit Planung Subsistenz und Moral Economy stärken kann.
Welche Lebens- und Arbeitsorte sind einer Subsistenzwirtschaft angemessen?
Welche baulich-räumlichen Strukturen ermöglichen eine Subsistenzökonomie?
Unter welchen Bedingungen kann eine Lebenshaltung anspruchsvoller Genügsamkeit gedeihen?

In der Lehrveranstaltung wenden wir uns zunächst Lebensorten zu, die eine Subsistenzorientierung stützen. Mit Skizzen und Beschreibungen stellen wir uns gegenseitig solche Orte vor. Dies können private Parzellen in der Stadt, Höfe am Land, Nachbarschaftsgärten, Gemeinschaftsgärten, Internationale Gärten oder öffentliche Freiräume sein.
Anhand von Plänen, Bildern und Beschreibungen arbeiten wir die Qualitäten und Strukturen der jeweiligen Orte heraus und gehen der Frage nach, wie die Wertschätzung von Subsistenz in planerischen Arbeiten umgesetzt werden kann.

Neben der praktischen Arbeit an Beispielen und Plänen wollen wir über Ökonomie und Moral im Zusammenhang von Subsistenz und Freiraumplanung nachdenken.
Als Anregung lesen und diskutieren wir Texte von:
- Maria Mies, die nach einer neuen Moral Economy fragt
- Veronika Bennholdt-Thomsen, die Subsistenz als gelebte Praxis und als Perspektive für die Zukunft sieht
- Vandana Shiva, die gegen Saatgutmonopole und Patente kämpft und eine Erd-Demokratie als Alternative zur neoliberalen Globalisierung vorstellt
- Felix zu Löwenstein, der eine ökologische Intensivierung der Landwirtschaft fordert
- Florian Schwinn, der über unseren Umgang mit Tieren nachdenkt
- Elinor Ostrom, die eine bewahrende Nutzung von Gemeingütern untersucht hat
- Stephan Lessenich, der die negativen Folgen unserer Externalisierungsgesellschaft aufzeigt
- Leonardo Boff, der als Befreiungstheologe für Gerechtigkeit, Ökologie und einem wirklich nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung eintritt
- Hartmut Rosa, der Resonanz als Grundlage gelingender Weltbeziehung betrachtet
- Hannah Arendt, die über das menschliche Tätigsein sowie über Freiheit und Politik nachdenkt und die Liebe zur Welt lehrt
- den italienischen Philosophinnen der Differenz, die dazu ermutigen das eigene Begehren in die Welt zu tragen und damit Welt zu gestalten
- Luisa Muraro, die die Idee der symbolischen Unabhängigkeit einführt und
- Pierre Rabhi, Bauer und Poet, der Genügsamkeit und unabhängige schöpferische Arbeit als Formen politischen Widerstands benennt.

Die Auseinandersetzung mit Plänen und Texten soll über die Reflexion unserer Alltagserfahrungen zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenzarbeit und Subsistenzkultur anregen und uns zu symbolischer Unabhängigkeit führen.

Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)

keine
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Lehrziel

Die Lehrveranstaltung will die Aufmerksamkeit für die Fülle alltäglicher Subsistenztätigkeiten schärfen und zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenzarbeit und Subsistenzkultur führen.

Die Studierenden beschreiben und analysieren freiraumplanerische Beispiele.
Die Studierenden erkennen und differenzieren die Vielfalt alltäglicher Subsistenztätigkeiten.
Die Studierenden können Planungsbeispiele und Planungsentscheidungen in Bezug auf Subsistenz beurteilen.
Die Studierenden reflektieren eigene Werthaltungen vor dem Hintergrund von freiraumplanerischer Theorie und Subsistenztheorie.
Die Studierenden lesen und diskutieren philosophische, wissenschaftliche und politische Texte in Beziehung zu subsistenzorientierter Freiraumplanung.
Die Studierenden können Inhalte von Fachtexten auf ihre Planungsrelevanz prüfen und sich konstruktiv mit unterschiedlichen Lebenswelten und Gedankengängen auseinandersetzen.
Die Studierenden können Gruppenarbeitsprozesse aktiv gestalten und Verantwortung für gemeinsame Arbeitsergebnisse übernehmen.

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Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw. finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.