Drittmittel ?!?


Drittmittel ?!?

 

Was sind Drittmittel?

Definitionsgemäß sind das Geldmittel, die nicht aus dem Globalbudget der Universität und nicht direkt vom Wissenschaftsministerium stammen, und die vorwiegend für Forschung und Lehre einzusetzen sind. Sie stammen entweder direkt von öffentlichen Körperschaften (EU, Ministerien, Bundesländer, Gemeinden), von Förderorganisationen (FWF, FFG, ÖAW, OECD) oder privatwirtschaftlichen Betrieben. Sie können entweder für Auftragsarbeiten oder kompetitiv (in objektivierten Auswahlverfahren) eingeworben werden.

Bedeutung von Drittmitteln für die Universität…

Durch ihren überwiegend kompetitiven Charakter (also ihre Vergabe aufgrund objektivierter Vergabeverfahren) haben sich Drittmittel in den letzten Jahren als ein wichtiger Indikator universitärer Tätigkeit etabliert und werden vom Ministerium als einer der Kernbestandteile der Leistungsvereinbarungen auch als Maßstab für die Mittelzuteilung genutzt. Zusätzlich haben Drittmittel an sich bereits ganz konkrete Bedeutung für die Finanzierung des laufenden Uni-Betriebes. Aus beiden Gründen steht die BOKU somit wie alle Universitäten vor der Herausforderung, einen möglichst hohen Anteil kompetitiv eingeworbener Mittel vorweisen zu können. Mit 24,5% Drittmittelanteil am Gesamtbudget (2010) liegt die BOKU sogar im Spitzenfeld der österreichischen Universitäten.

… und für die MitarbeiterInnen

Das Lukrieren von Drittmitteln aus Auftragsarbeiten oder kompetitiven Fördertöpfen hat aber auch für Universitätsbedienstete ganz konkrete Bedeutung: abgesehen von der Notwendigkeit dieser Gelder zur Finanzierung von Stellen dient das Einwerben von Drittmitteln auch in Bewertungsverfahren als Indikator für persönliche Leistung, etwa bei der Vergabe von Qualifizierungsstellen oder beim Anstreben einer Habilitation.

Drittmittel und Lehre

Ein nicht unerheblicher Teil der BOKU-Lehre (im Sommersemester 2013 sind es laut Zentrum für Lehre immerhin über 8 Prozent) wird von Drittmittelangestellten getragen. Abgesehen vom Beitrag zur Aufrechterhaltung des Lehrbetriebes hat das auch Relevanz für die Einheit von Forschung und Lehre – denn das Einbringen eigener, aktueller Forschungsergebnisse in die Lehre ist ein Qualitätskriterium, das nicht nur an der BOKU sondern an Universitäten allgemein hochgehalten wird. Auch in die (Mit-)Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten lassen viele DrittmittlerInnen ihre Erfahrungen einfließen.

Herausforderungen

Sowohl für die EinwerberInnen von Drittmitteln als auch für die über Drittmittel Angestellten (teilweise sind beide Funktionen in einer Person vereint) ergeben sich ganz besondere Herausforderungen, die bei Finanzierung über das Globalbudget nicht, oder nur in geringem Maß, auftreten:

-          unsichere Karriere- und Jahresplanung

-          hohes Maß an nicht abgegoltener Verwaltungstätigkeit

-          gerade anfangs große Unsicherheit

Kettenverträge

Das derzeit wohl größte Problem für Drittmittelangestellte ist jedoch die sogenannte Kettenvertragsregelung, die mit dem UG 2002 eingeführt wurde: sie verpflichtet den Dienstgeber nach ununterbrochener Aneinanderreihung von Dienstverhältnissen über 6 Jahre (Vollzeit), den/die DienstnehmerIn in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis zu übernehmen. Da aber bei Drittmittelprojekten nach Projektende üblicherweise keine Mittel mehr für diese Anstellung zur Verfügung stehen, würde diese Anstellung das Globalbudget außerplanmäßig belasten. Als „Notlösung“ sehen sich die Universitäten üblicherweise gezwungen die Dienstverhältnisse vor dieser Frist zu beenden.

Ursprünglich dazu gedacht, junge MitarbeiterInnen nicht allzu lang in prekären Arbeitsverhältnissen zu belassen, führt das UG 2002 nun somit dazu, dass diese die Universitäten auf jeden Fall bei Ablauf der Frist verlassen müssen – eine „lose-lose“-Situation für beide Seiten (s. auch "Der Standard" vom 7. März 2012)! Eine Wiederanstellung ist oft erst nach Ablauf einer Frist von mehreren Monaten (an manchen Universitäten bis zu einem Jahr!) wieder möglich. Auch die Anstellung als studentische MitarbeiterInnen wird in diese Kettenvertragszeit addiert.