Lettner


Die Bodenkultur - Journal for Land Management, Food and Environment

 

o. Univ. Prof. DI Dr. Franz Lettner 1936 -2007 (Windisch)

O.-Univ. Prof. i. R. Dipl.-Ing. Dr. nat. techn. Franz Lettner verstarb am 1. März 2007 im 71. Lebensjahr. Völlig unerwartet verlieren die Universität für Bodenkultur Wien sowie die Wissenschafter und Praktiker aus dem Umfeld der Tierernährung und Futtermittelkunde einen überaus geschätzten Kollegen und Freund.

Franz Lettner war Jahrgang 1936 und stammte aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Obererb bei Wels. Er schlug einen geradlinigen Ausbildungsweg ein, der ihn von der Höheren Bundeslehranstalt „Francisco-Josephinum“ in Wieselburg mit ausgezeichnetem Abschluss über die Praxis der Futtermittelwirtschaft in Mattighofen schließlich im Jahre 1956 an die damalige Hochschule für Bodenkultur nach Wien zum Studium der Landwirtschaft führte. Nach dessen Studienabschluss im Jahre 1961 setzte er seine akademische Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter am damaligen Institut für Tierproduktion fort, erwarb im Jahre 1963 das Doktorat (Dr. nat.techn.) und habilitierte 1971 im Fachgebiet Tierproduktion unter besonderer Berücksichtigung der Tierernährung. Im Jahre 1975 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt und mit der Leitung der Abteilung Tierernährung am Institut für Tierproduktion der Universität für Bodenkultur Wien betraut. 1988 folgte schließlich die Berufung zum Ordinarius für Tierernährung.

In der Forschung bearbeitete Franz Lettner ein breites Feld.

Ausgehend von Untersuchungen zur Schlachtkörper- und Fleischqualität von Rind, Schwein und Geflügel wandte er sich bald den Einsatzmöglichkeiten verschiedener Futtermittel in Rationen landwirtschaftlicher Nutztiere unter den spezifischen Gegebenheiten Österreichs zu. Die Verwertung einheimischer Eiweißfuttermittel als Alternative zu importiertem Sojaextraktionsschrot, die Grundfutteraufnahme bei Milchkühen und Pferden sowie die Aspekte der Fütterungsintensität in der Rinder-, Schweine- und Geflügelmast zählten zu seinen besonderen Anliegen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit lag in der Bedeutung der Tierernährung zur Sicherstellung einer hohen Qualität und Sicherheit tierischer Lebensmittel und einer möglichst effizienten und folglich umweltschonenden Fütterung im Sinne einer ökologisch verträglichen Nutztierhaltung.

Als Universitätslehrer hat sich Franz Lettner hohe Verdienste erworben. Über Jahrzehnte hinweg war er in Berufungskommissionen tätig und hat als Vorsitzender der Studienkommission das Landwirtschaftsstudium an der Universität für Bodenkultur Wien nachhaltig gefördert und geprägt. Er war bei den Studierenden sehr beliebt, nicht nur Dank seiner didaktischen Fähigkeiten. Dabei verstand er es, die Tierernährung so interessant zu vermitteln, dass er Studierende in großem Umfang zur Diplomarbeit auf seinem Arbeitsgebiet gewinnen konnte. Viele blieben ihrem Lehrer treu, was aus der großen Anzahl an Dissertationen und insbesondere dem stattlichen Erfolg von 5 Habilitationen hervorgeht.

All diese Arbeiten mündeten in eine Vielzahl an Publikationen in hochrangigen wissenschaftlichen Journalen.

Darüber hinaus war er selbst langjähriger Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift „Die Bodenkultur“.

Franz Lettner trug dadurch maßgeblich zur Pflege des wissenschaftlichen Nachwuchses und der internationalen Anerkennung der Universität für Bodenkultur Wien bei.

Ungeachtet seiner Erfolge in Forschung und Lehre hielt Franz Lettner stets den engen Bezug zum landwirtschaftlichen Umfeld aufrecht. So verstand er es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in klare Informationen für die Praxis zu übertragen. Davon zeugen seine vielen anwendungsbezogenen Fachartikel und Vorträge sowie die tiefe Wertschätzung der Landwirtschaftskammern und der Futtermittelindustrie als verlässlicher Kooperationspartner.

Darüber hinaus war Franz Lettner mit seiner breiten wissenschaftlichen und praktischen Kompetenz an den verantwortungsvollen Zulassungsverfahren von Futterzusatzstoffen auf nationaler (österreichische Futtermittelkommission) und internationaler Ebene (Scientific Committee for Animal Nutrition SCAN) maßgeblich beteiligt.

Professor Franz Lettner wird uns als vorbildlicher Wissenschaftler, Universitätslehrer und Freund stets in bester Erinnerung bleiben.