Holzner


Die Bodenkultur - Journal for Land Management, Food and Environment

W. HOLZNER:

Unkraut-Typen

Eine Einteilung der Ruderal- und Segetalpflanzen nach komplexen biologisch-ökologischen Kriterien

1. Teil: Die "ein- und zweijährigen" Arten

Zusammenfassung

Unter Berücksichtigung möglichst vieler Eigenschaften, vor allem des Keimverhaltens, der Wuchs- und Lebensform, des Konkurrenzverhaltens, der Standortansprüche, der Verbreitung und Vergesellschaftung wurden 14 "UnkrautTypen" beschrieben:

A. Nach der Keimung bald Blüte und Samenreife, die sich fortsetzt, solange die Umweltbedingungen günstig sind; Lebensrhythmus nicht so ausgeprägt saisonal wie bei anderen Einjährigen.

B. Konkurrenzschwache Frühlingsblüher; Samenreife im Spätfrühling, danach Absterben.

C. Konkurrenzstarke, anspruchsvolle Sommer-Einjährige mit reicher, langlebiger Samenbank (im Boden).

D. Konkurrenzschwache Sommer-Einjährige kühler Gebiete und saurer Böden.

E. Winzige Sommer-Einjährige auf nach dem Winter stark vernäßten Böden.

F. Wärmebedürftige konkurrenzschwache Sommer-Einjährige.

G. Wärmebedürftige, frühsommerkeimende, konkurrenzstarke Sommer-Einjährige.

H. Herbstkeimende, sommerreifende einjährige Getreidewildkräuter.

I. An die Verbreitung mit Saatgut angepaßte Spezialisten.

J. Kleine, anspruchslose Winter-/Sommer-Einjährige.

K. Größere Arten, die bezüglich Lebensdauer und dem Verhältnis vegetativer/reproduktiver Phase sehr flexibel sind - beides hängt von der Keimzeit ab.

L. Anspruchslose Winter-Einjährige (seltener sommereinjährig) mit Samenfernverbreitung.

M. Anspruchslose, lichtkeimende "Zweijährige" mit sehr langlebiger Samenbank (Verbreitung in der Zeit).

N. Anspruchsvollere, dunkelkeimende "Zweijährige" ohne Samenbank, aber mit Samenfernverbreitung; Schutzeinrichtung gegen große Pflanzenfresser.

Von allen diesen Typen werden die Lebensweise (Strategie), die (theoretische) Nische und der Standort beschrieben, Überlegungen zur Herkunft (Primärstandort) gemacht und einige Beispiele gegeben. Es zeigt sich, daß aus diesen biologischen Überlegungen Rückschlüsse auf die landwirtschaftliche Bedeutung gezogen werden können.